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Jüdische Turnzeitung · 1910-10-01 · 10 (10.1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
10 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 10 151 Lauter kreischt die Sorna, schneller wirbelt die Pauke. Sie sollen den Pechliwans Mut und Wildheit einflößen, die da den Ringkampf beginnen. In Europa geschieht das durch ein martialisches Händeschütteln, hier unter höchst seltsamen urd umständlichen Formen. Die Ringer, die nebeneinander aui einer Längsseite der Arena postiert sind, schreiten zur anJeren Seite hinüber und knien auf einem Bein nieder. Dann erheben sie sich und trennen sich nach entgegengesetzter Richtung, mit langen, wuchtigen Schritten, indem sie dabei, taktmäßig mit den Händen klatschend, auf ihre Schenkel schlagen. Das soll wahrscheinlich Mut bezeugen und dem Gegner die Festigkeit der Muskeln dartun. Alsdann kehren sie schnell zur Mitte aufeinander zu und packen sich mit der Rechten gegenseitig am Nacken, die Linke herabhangend, wie Griffe suchend. Unvermutet aber lassen sie wieder 'os. um sich noch einmal so schenkelklatschend voneinander zu entfernen und dann wieder mit Storchschritten zusammenzueilen. Diesmal aber wird's ernst. Sie beugen die Köpfe vorwärts und packen sich mit der Rechten. Oder suchen sich vielmehr zu packen; denn die Hände, die lassen wollen, gleiten am ül hinunter. Man versucht es daher mit Vorliebe unten. Da ist die härtere Hose, da ist der Hosenrand, in den man sich bemüht zu «reifen, da sind die Beine, die man versucht, mit dem eigenen Bein zu umschlingen. Alle Griffe sind statthaö, und nichts gilt als unfair. Also vorwärts Burschen! Lange tappen die Hände, ringeln die Arme, stoßen die Kopie, schlingen die Beine umeinander herum, und immer wieder gleiten s'e, vom Öl betrogen, voneinander. Bis der eine, der wilder ist oder stärker, den anderen herumzerrt und zu Fall bringt. Wie eine Katze hängt er blitzschnell über ihm, greift um den Leib, sucht in die Hose hineinzudringen, während der Untere den Fuß des Gegners erhaschen möchte. Aber der Obere 6'bt gut acht, hält den Bauch des anderen fest gepreßt, sucht ihn durch Schmerz und Luitauspumpen zu ermüden. Inzwischen schrillt ein Pfiff, die Pechliwans erheben sich zur Pause. Sie sind nicht wiederzuerkennen. Ihre hellen Leiber sind vom Kohlenstaub schwarz geworden, der Schweiß trieft über dem Fett herunter, die Augen glühen weiß wie aus Negergesichtern. Der eine hebt ein schmutziges Papierstiick vom Boden auf, das sich gerade dorthin verirrt hat, und putzt damit seine verklebten Lider. Der andere kühlt die feuchten, verrußten Glieder an einem Wassereimer, dann schöpft er mit der gleichen Hand aus dem gleichen Eimer sich einen Trunk zur Labe. Noch ein paar tiefe Atemztise, dann kehren die Ringer zurück in die frühere Stellung. Die Aalglätte und die Gelenkigkeit der Leiber machen das Spiel überraschend wechselvoll, und so manchem der totstill sitzenden Türken mag das Herz oft hämmern, denn sie sind leidenschaftliche Wetter. Bis endlich d'e Arme des einen den Rumpf des andern so fest von hinten umkrallen, daß J-j" ihn auiheben kann, ohne daß jener dem Griff entgleitet, und ihn mit Aufbietung der letzten Kräfte über sich schleudern, daß seine Schultern die Erde berühren. Ein Zweifel, ob die Niederlage vollkommen war, ist nicht gut möglich. denn die Schultern sind beide vom Kohlenstaube untrüglich gezeichnet. Taumelnd erhebt sich der Besiegte. Der Sieger umarmt ihn und hebt 'hn dabei in die Höhe. Der Unterlegene tut ihm desgleichen, und sie gehen auseinander. Dann begeben sich beide mit Tellern auf die ßackschisch- -ammlung, die ganze Arena mit ihrem ölduft durchpestend. Keine einzige Hand rührte sich zum Beifall. Der Moslem ehrt den Besiegten wie den Sieger, er wird ihm durch Verherrlichung des Starken '»cht Herzweh bereiten. Stumm sitzt die Runde, nur Da'ul und Sorna verrichten ihre Arbeit. Dr. Israel Auerbach- Konstantinopel.

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