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Jüdische Turnzeitung · 1910-10-01 · 10 (10.1910) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
10 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 10 147 Querfeldeinlaufen. Von Georg Israel, Bar Kochba - Berlin. Der Sommer ist zu Ende, und unsere Turner, die sich in der warmen Jahreszeit vorwiegend mit leichtathletischen Uebungen beschäftigt haben, richten ihr Augenmerk wieder auf das Hallenturnen. Es wäre jedoch verfehlt, das Turnen allein als vollwertigen Ersatz für die gewohnte Betätigung in frischer Luft anzusehen. Auch beim Boxen, Ringen und Fechten wird man die Mangel, die dem Turnen in geschlossenen Räumen anhaften, nicht vermeiden können. Rodeln, Schlittschuh- und Skilaufen werden wegen der Höhe der für sie erforderlichen Ausgaben und der nicht überall sich bietenden Gelegenheit, sie auszuüben, nur immer von einem beschränkten Kreise gepflegt werden können. Da erscheint der bis jetzt noch wenig bekannte Querfeldein- oder Waldtauf vorzüglich geeignet, uns in frischer Luft zu stählen und abzuhärten. Der Lauf ist bekanntlich die natürlichste und idealste Art jeder körperlichen Bewegung und zieht alle Muskeln zur Arbeit heran. Auch für die inneren Organe ist ein vernünftiges Lufttraining von großer gesundheitlicher Bedeutung. Um etwaigen Einwänden zu begegnen, will ich hervorheben, daß der winterliche Lauf keine gesundheitlichen Gefahren (Erkältung etc.) in sich birgt. Es ist jedoch selbstverständlich, daß alle Teilnehmer sofort nach Beendigung des Laufes Ueberkleider anziehen oder ein warmes Zimmer aufsuchen. Die Veranstaltung von Waldläufen zum Training bedarf keiner besonderen Vorbereitung. Die Läufer treifen sich einmal wöchentlich abends in einem möglichst nahe am Walde gelegenen Restaurant und kleiden sich dort um. Die Laufstrecke soll zuerst nicht länger als 2V2 Kilometer sein, um später allmählich bis auf 5—6 Kilometer zu steigen. Das Tempo darf in der ersten Uebungszeit nicht zu rasch genommen werden, muß aber während des ganzen Lauies ein durchaus gleichmäßiges sein. Im Endspurt (wie jetzt die allgemein übliche Bezeichnung für den letzten Teil des Rennens ist), ca. 500 Meter vor dem Ziel, muß der Läufer das Tempo so stark wie irgend möglich beschleunigen und alle Energie und Kraft einsetzen. Der Stil weicht wesentlich von dem eines Sprinters (Kurzstreckenläufers) ab. Der Körper ist stark nach vorn geneigt, das Kinn leicht angezogen, die Oberschenkel werden nicht zu hoch gehoben, die Arme pendeln in ungezwungener Haltung in der Laufrichtung, der Schritt soll eher zu kurz als zu lang sein, um den Läufer nicht unnötig anzustrengen, der Fuß wird mit der Ferse zuerst aufgesetzt. Um einen Wettlauf mit einiger Aussicht auf Erfolg bestreiten zu können, muß der Läuier längere Zeit vorher trainiert haben und seine Leistui.gsfühigkeit genau einzuschätzen wissen. Es wird für ihn am vorteilhaftesten sein, sich in gleichmäßigem Tempo in der Mitte des Rudels zu halten. Er muß versuchen, durch eingelegte kurze Spurts von ca. 100 Metern seine Gegner von sich abzuschütteln, vorn liegende zu überholen und sich so allmählich bis an die Spitze vorzuarbeiten, um diese bis zum Schluß nicht mehr abzugeben. Das Gelände für einen Wettlauf soll mit Hindernissen möglichst reich ausgestattet sein. Grüben, Zäune, Bäche werden dem geübten Läufer keine besonderen Schwierigkeiten bereiten und einem jeden den praktischen Wert des Querfeldeinlaufens vor Augen führen, wie ja auch das Endziel aller sportlichen und turnerischen Uebung auf die Erziehung für die wirklichen Lebensverhältnisse gerichtet ist.

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