Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 10 (10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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146 No. 10 durch verschiedene äußere Umstände; erst in diesen; Sommer kam er nach Uberwindung aller Hindernisse zustande. Es beteiligten sich dreißig Schüler und elf Schülerinnen unter Führung von sieben Lehrern. Wir fuhren mit dem Schiff nach Haifa, von da gingen wir zu Fuß nach Akka und zurück; dann von Haifa über Sedschera auf den Berg Tabor und über Mescha und Jemma nach Kinereth; von da fuhren wir mit einem Boot nach Tiberias und zurück; dann gingen wir zu Fuß nach Semech, fuhren sodann mit der Bahn zu den Thermen im Jarmuktale; von da traten wir den Rückweg; mit der Bahn nach Haifa und dann über Sichron Jakob mit Wagen nach Jaffa an. Der Ausflug dauerte 10 Tage und kann als höchst gelungen bezeichnet werden; die Schüler kehrten, durch das Gesehene innerlich bereichert und höchst befriedigt, nach Jaffa zurück. Erwähnt sei, daß die Mädchen sich viel ausdauernder erwiesen als viele der Knaben; dies hat bewiesen, daß sie auch an den Ausflügen ebenso wie am sonstigen Leben der Schule Anteil zu nehmen vermögen. In diesem Zusammenhang sei noch des Orchesters gedacht, das im Gymnasium geschaffen wurde und sich in befriedigender Weise entwickelt; auf die Schüler wirkt es sehr ein, weil es den ästhetischen Sinn und die Geselligkeit zugleich unter ihnen fördert. Es beginnt auch im allgemeinen jüdischen Leben Jaffas einen bedeutenden Rang einzunehmen; wir erinnern an seine Rolle bei der Begrüßung des Chacham-Baschi. Der Einfluß des Gymnasiums nach außen ist sehr bedeutend; in Jaffa ist unsere Schule zu einem wichtigen wirtschaftlichen und moralischen Faktor geworden; an den Veranstaltungen des Gymnasiums nimmt ganz Jaffa regen Anteil. Oanz Palästina erblickt in unserer Schule eine der wichtigsten jüdischen Erziehungsanstalten des Landes, einen hervorragenden lebendigen Beweis für die Wiedergeburt unseres Volkes in Erez-Jisroel. Und nicht nur für Palästina bedeutet unser Gymnasium etwas. Wenn auch seine Existenz vor allem den Söhnen dieses Landes zugute kommt — die jüdischen Eltern, die ihren Kindern eine bessere Erziehung angedeihen lassen wollen, sind nicht mehr genötigt, sie in Missionsschulen oder in ausländische Institute zm schicken — so übt es doch auf fast alle Länder der Diaspora eine weitgehende Wirkung in ideeller Hinsicht aus. Für die Juden der Diaspora, die ihren Kindern eine jüdische und allgemein menschliche Erziehung zugleich angedeihen lassen wollen, wird es zu der jüdischen Schule. Wie viele junge Leute in Galizien, Rußland und Rumänien bereiten sich nach dem Programm des Gymnasiums für den Eintritt in unsere Schule vor; mag es auch nicht jedem vergönnt sein, sein Ziel zu erreichen und Schüler des Gymnasiums zu werden, so wird er doch durch das bloße Streben, durch die Erlernung unserer nationalen Sprache mit unserm Volke innig verbunden. Das Gymnasium wird zu einem moralischen Faktor, der dahin wirkt, Kräfte, die sonst verloren gingen, zu sammeln und dem Volke zu erhalten. Das Gymnasium hat sich die Aufgabe gesetzt, allgemeine Bildung, die Kulturwerte Europas mit jüdischem Wissen, mit der Kenntnis des eigenen Volkes, seiner Geschichte, seiner reichen Kultur, seiner neu aufblühenden Sprache zu vereinen; es will seine Schüler zu guten Juden und zu tüchtigen Menschen zugleich erziehen. Mögen auch unserm Werke viele Mängel anhaften — man vergesse nicht, daß man es mit einem Versuch zu tun hat —- so dürfen wir doch heute schon mit freudiger Genugtuung auf das zurückblicken, was wir erreicht haben. Unser Streben geht dahin, den Mängeln nach besten Kräften abzuhelfen, unsere Schule weiter auszubauen und auszugestalten, sie nach jeder Richtung zu vervollkommnen. Wenn einst Palästina zum geistig-kulturellen Zentrum für die ganze Judenheit werden w werden auch wir, so dürfen wir hoffen, zu dieser Entwicklung ein Scherflein beigetragen haben. Aus der Palästina-Nummer der „Welt .