Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 9 (9.1910)
- Date
- 1910-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 127 Vorgänge um so mehr geboten, weil fortgesetzt versucht wurde und no:h versucht wird, den Frieden im Verein zu stören: Einige Mitglieder der II. Frauen-Abteilung hatten zwei Anträge eingereicht, der eine bezweckte die Gründung einer Mädchen-Abteilung im Westen Berlins, der andere gemeinsame turnerische und gesellige Veranstaltung aller drei Frauen-Abteilungen. Der erste Antrag war bereits im Vorstande beraten worden und wurde von der Generalversammlung wieder dem Vorstande überwiesen, um gemeinsam die Maßnahmen zur Gründung einer Mädchen-Abteilung zu ergreifen. Die Generalversammlung stellte sich also prinzipiell auf die Seite der Antragsteller. Hinsichtlich des zweiten Antrages war die Generalversammlung der Meinung, daß für ihn, soweit er rein Turnerisches behandelte, die Vorturnerschaft bzw. der Hauptturnwart zuständig sei. Dem übrigen Teil des Antrages stimmte die Generalversammlung zu. Schon vorher hatte eine unpassende Aeußerung eines jetzt ausgeschiedenen Mitgliedes der II. Frauen-Abteilung gegenüber einem Mitglied der I. Frauen-Abteilung eine starke Erregung hervorgerufen, die auch nicht nachließ, als von dem Vorstand der II. Frauen-Abteilung an die anwesenden Vorstände der anderen Frauen-Abteilungen das Ersuchen gerichtet wurde, sich über die Geneigtheit zur Annahme der Anträge zu äußern. Sämtliche Redner stimmten den Anträgen grundsätzlich zu, jedoch wurde von mehreren Seiten darauf hingewiesen, daß es zweckmäßiger gewesen wäre, sich ohne Generalversammlung über diese Dinge zu verständigen. Es wurde auch kritisiert, daß gerade die Mitglieder der II. Frauen-Abteilung sich sonst so wenig an den gemeinsamen Veranstaltungen des Vereins beteiligt hätten. Schon vor Beginn dieser Debatte verließ ein Vorstandsmitglied der III. Frauen-Abteilung demonstrativ den Platz und lehnte es ab, sich über den Antrag zu äußern, ein Verhalten, das von dem Vorsitzenden aufs schärfste kritisiert wurde. Wegen dieser kleinen, durch die Rüge des Vorsitzenden erledigten Entgleisung eines einzigen Mitgliedes und vielleicht auch wegen der erwähnten Kritik eilten fünf Mitglieder der II. Frauen-Abteilung zum Vorstandstisch und erklärten auf der Stelle ihren Austritt! Darunter befanden sich auch die Leiterin der II. Frauen-Abteilung und die Leiterin der Mädchen- Abteilung! Diese gleichsam wie auf Kommando erfolgte Austrittserklärung der Fünf kam allen, aber auch allen überraschend und rief eine tiefgehende Erregung hervor, die um so begründeter war, als einige der Ausgeschiedenen bisher das größte Interesse für den Verein an den Tag gelegt und eifrig für ihn gearbeitet hatten. Es war daher doppelt unverständlich, wie so leichten Herzens und gegen alle Disziplin und Rücksicht auf den Weiterbestand ihrer Abteilung insbesondere jene beiden Leiterinnen ihre Posten im Stiche lassen konnten. Allmählich wurden uns die Augen geöffnet und jetzt wissen wir, woran wir sind: es handelte sich nicht etwa um ein im Augenblick der Erregung unübeilegtes Vorgehen, sondern um eine zielbewußte Separation der fünf Damen, die, mit der turnerischen Leitung des Vereins unzufrieden, äene unbedeutenden Vorkommnisse auf der Generalversammlung als ersten