Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 9 (9.1910)
- Date
- 1910-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 125 Jüdische Turnerschaft hat höhere und positive Ziele. Sie will die Juden körperlich ertüchtigen und bewußte Liebe zum alten Volksstamm in ihnen wach halten. Dem Einzelnen bleibt es unbenommen, seinen persönlichen Verkehr nach Belieben zu gestalten, und die Jüdische Turnerschaft hat weder den Wunsch, noch den Willen, hierbei in irgend einer Richtung einzuwirken. Sie ist bestrebt, mit anderen Turnorganisationen in guten und freundschaftlichen Beziehungen zu stehen und Differenzen zu vermeiden, geschweige denn sie herbeizuführen. So ist es verständlich, daß jüdische Angehörige der Deutschen Turnerschaft, welche der jung-jüdischen Bewegung sympathisch gegenüberstehen, auch in die Reihen der Jüdischen Turnerschaft eintreten, ohne die gleichzeitige Zugehörigkeit zu beiden Organisationen als inneres Dilemma zu empfinden. Die Jüdische Turnerschait, welche — gleich der Deutschen — über Oesterreich und Deutschland hinausreicht, will auch ausländische Juden der Segnungen körperlicher Kultur teilhaftig werden lassen. Diese Kreise würden' den Weg zur Deutschen Turnerschaft in Massen jedenfalls nicht finden; sie würden dort in sprachlicher, wie in turnerischer Beziehung als schwerfällig und beschwerlich erscheinen; als gleichgeschätzte, liebe Kameraden würden zum Beispiel die russischen und galizischen Juden ebenso wenig gelten, wie sich die fremden Gäste in deutschen Vereinen wohl fühlen könnten. Das ist Psychologisch ohne weiteres verständlich. Dagegen wird man in jüdischen Turnkreisen die Eigenart fremdländischer Juden verstehen und — statt sie zu hänseln oder zu höhnen — ihre Unbeholfenheit mit besonderer Rücksicht und Schonung behandeln. Es gibt bei uns sogar besondere Riegen, die eigens der turnerischen Ausbildung von Ausländern unter Berücksichtigung ihrer Individualität dienen. Hier hat sich die Jüdische Turnerschaft eine Aufgabe gestellt, die völlig außerhalb des Rahmens der Deutschen Turnerschaft liegt, eine Aufgabe, die auch von dieser beim besten Willen nicht geleistet werden könnte. Schon hieraus ergibt sich die Existenzberechtigung der Jüdischen Turnerschaft. Sie ist unabhängig von irgend welchen „antisemitischen Strömungen" der Deutschen Turnerschaft, vielmehr verdankt unser Verband sein Entstehen und seinen Bestand einer inneren Notwendigkeit. Wenn manche Juden lieber in jüdischen, als in deutschen Turnvereinen turnen, so erklärt sich das psychologisch daraus, daß diese Juden bei uns sich freier und wohler fühlen. Solche Qefühle lassen sich nicht näher begründen. Sie sind vorhanden und müssen respektiert werden. Aber das mag gesagt sein: Schon d|e Anwesenheit eines einzigen ausgesprochenen Antisemiten in einem Vereine von 100 Mitgliedern kann ausreichen, um einem feinfühligen Juden die Zugehörigkeit zu seiner Turngemeinschaft vollständig zu verleiden." * * * Der Jüdische Turnverein zu Dortmund hat seine Aufnahme in die Jüdische Tunerschaft beantragt. Diesem Antrage hat der Ausschuß stattgegeben. ♦ . Der Ausschuß hat u. a. beschlossen, die von ihm herausgegebenen *\iegenbücher neu aufzulegen, und zwar soll jetzt in jedem Büchlein eine gedruckte Qeräteordnung Aufnahme finden, eine gewiß vielen sehr erwünschte Neuerung. Ferner werden die Satzungen unseres Verbandes unter Einfügung der auf dem letzten Turntag beschlossenen Satzungsänderungen neugedruckt werden. Endlich wird die Ernennung zum „Förderer der Jüdischen Turnerschaft" nicht mehr wie früher mittels eines gewöhnlichen Schreibens erfolgen, sondern unter Überreichung eines künstlerisch ausgestatteten Diploms.