Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 9 (9.1910)
- Date
- 1910-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 119 Es war am 27. Juli, 6 Uhr morgens, als wir, Uber 120 uniformierte Turner und Turnerinnen, den von über 100 Fahnen geschmückten Turnhof verließen, um uns zum Qalata-Quai zu begeben, wo uns eine Militärkapelle erwartete. Nach einem einstündigen Warten bemerkten wir den Dampfer, der unsere Gäste zu uns brachte. Wie aus einer Kehle ertönte der Schalom- Qruß und die Hatikwa, unsere Nationalhymne, zum ersten Mal auf den Ufern des Bosporus, die von unseren bulgarischen Brüdern erwidert wurde. Unbeschreiblich war die Freude, als sie landeten. Die brüderlichen Umarmungen machten unsere Herzen beben und rührten manchen zu Tränen. Kurz, ein noch nie erlebtes Ereignis. Die Klänge der Musik erinnerten uns, daß wir an die Rückkehr in unsere Turnhalle denken mußten. Imposant gestaltete sich der nunmehr aus über 300 Turnern zusammengestellte und von der Militärkapelle geführte Zug, der natürlich allgemeines Aufsehen erregte. Händeklatschen und Hurrarufe der Volksmenge, von der sich viele dem Zuge angeschlossen hatten, zogen noch mehrere Neugierige mit sich, bis wir in unserer Turnhalle anlangten, wo unseine große Menschenmenge empfing. Mehrere Ansprachen und Begrüßungsreden wurden gehalten, die. allgemeinen Beifall hervorriefen. Gleich darauf setzten sich die verschiedenen Kommissionen in Bewegung und quartierten die ermüdeten Gäste in den Familien der Turner ein. Von 120 Besuchern brauchten nur 16 in Hotels Wohnung zu nehmen. Der Samstag - Vormittag wurde damit ausgefüllt, die Tempel Oer verschiedenen Vororte in geteilten Gruppen zu besuchen, was bei der Masse der Frommen einen sehr guten Eindruck zurückließ. Am Nachmittag 'and das erste große Schauturnen in Haskeuy unter den Blicken von mehr als 2000 Zuschauern statt. Mehrere Generäle und höhere Offiziere, wie auch Delegierte der verschiedenen Gemeinden und Schulen, beehrten uns. Ein zweites fand am Sonntag Vormittag, 1. August, in Haidar Pascha statt, und das dritte am selben Tag, nachmittags, in Pera. Ueberau hatten wir großen, sowohl materiellen als auch moralischen Erfolg. Die Sonntagsfeier beschloß a«f Einladung des Makkabi am Abend ein Kommers mit 140 Gedecken. Montag organisierten wir einen Ausflug nach dem Bosporus (Belgrader Wald) unJ nachdem die Gäste alle Sehenswürdigkeiten der Stadt gesehen, reisten sie Dienstag abend überglücklich auf der Elsenbahn nach Bulgarien zurück. _ Mit diesen Tagen fing eigentlich die Entwicklung der Turnerei in der Türkei an. Haskeuy, die damals gegründete Sektion, vermehrte seine Mitgliederfahl von 20 auf über 100. Die jungen Leute von Balat, Sirkedji, Ortakeuy, Haidar Pascha und Kuskundjuk überstürzten den Pera-Verein mit seiner Kleinen Turnhalle, seine Mitgliederzahl stieg von 180 auf fast 400. Dieser Arbeitsüberbürdung konnten wir nicht Stand halten. Wir mußten Mittel und Wege ausfindig machen, um die Gefajir eines Zusammensturzes zu verhindern. Unsere Vorturnerschaft, die nicht so viele Turnwarte und eine genügende Anzahl Vorturner liefern konnte, wurde verstärkt und. die vorhandenen Kräfte wurden einstweilen mit den nötigen Vorkenntnissen als Vorturner ausgebildet. Das Fehlen eines tüchtigen Turnlehrers machte sich immer fühlbarer und während die Vorturnerschaft mit der Installierung der Turner in ihren Vororten sich beschäftigte, suchte unser unermüdlicher Präsident Herr Abramowitz nach Mitteln, um den gedachten Turnlehrer engagieren zu können. Der Hilfsverein der deutschen Juden, das Zionistische Aktionskomitee und der Odessaer Agrikultur-Verein boten die nötigen Mittel und der Turnlehrer wurde, dank der Mithilfe der Jüdischen Turnerschaft zu Berlin, angestellt. Unserer Vorturnerschaft gelang es aber auch unterdessen, die Ortakeuyer, Balater und Kuskundjuker Turner gut unterzubringen, mit