Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 9 (9.1910)
- Date
- 1910-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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118 No. 9 Wir aktiven Turner legten natürlich sehr wenig Gewicht auf das äußere Ansehen, kamen vielmehr allmählich zur Ueberzeugung, daß das Turnen unter der jüdischen Volk.smasse unbedingt verbreitet werden müßte, was aber von dem damaligen Vorstande nicht durchgeführt werden konnte. Von diesem Wunsche beseelt, solidarisierten wir uns und wählten den neuen, ausschließlich aus aktiven Mitgliedern bestehenden Vorstand, dem es auch nach kurzer Zeit gelang, sein Vorhaben zur Ausführung zu bringen. Die jungen, entschlossenen Elemente scheuten gar keine Arbeit Sie unternahmen eine regelrechte Propaganda, die ihnen mehrere Mitglieder zuführte; des weiteren gründeten sie eine Jugendabteilung, die schon nach einigen Monaten über 60 Jünglinge 'zählte; auch eine Kinderabteilung wurde ins Leben gerufen, die uns über 40 Knaben zuführte. Außerdem wurde das obligatorische Turnen in der deutsch-israelitischen Schule (Fbndation Ooldschmidt) eingeführt, um nachher eine Mädchenabteilung mit 57 Mädchen zu gründen. Nachdem es geglückt war, den Verein im Innern turnerisch zu reorganisieren, die Turnhalle mit modernen Turngeräten auszustatten, einen höheren Reservefonds zu ersparen und die Zahl der turnenden Juden von 35 (die höchste Ziffer seit der Gründung) auf das erwähnte Niveau zu bringen, wollte man noch das Turnen unter den sephardischen Massen der Vororte, die dem Sporte bis dahin gänzlich ferngeblieben waren, verbreiten. Bevor man aber diesen gewagten Schritt unternehmen konnte, war man gezwungen, mehrere Vorturner heranzubilden, die dann auch zur Ausführung dieses Planes viel beigetragen haben. Auch eine definitive Statutenänderung, die vier außerordentliche Generalversammlungen heraufbeschwor, wurde durchgeführt, welche nun ermöglichte, den Namen des Vereins zu ändern und der Jüdischen Turnerschaft als Mitglied beizutreten, wie auch den Verein auf Jüdisch-nationale Basis zu stellen. Als die Statuten der türkischen Regierung zur Genehmigung unterbreitet wurden und wir einen etwas ruhigeren Kopf hatten, brachte es unser Hauptturnwart zustande, einen Verein in der von 15 000 Juden bewohnten Vorstadt Haskeuy zu gründen, welcher nach sechsmonatlichem Bestehen der Stolz der Haskeuyer Jugend geworden ist. Wenn es uns gelungen Ist, diese und die späteren Sektionen zu konsolidieren, so ist es vor allem den bulgarischen Makkabäern zuzuschreiben, die uns vor zwei Jahren besuchten. Lieber diesen Besuch selber wurde seinerzeit nichts geschrieben und doch bildet er in der Geschichte der jüdischen Turnerei des Orients den größten Erfolg. Aus diesem Grunde kann ich nicht umhin, diesem Besuche einige Erinnerungen zu widmen. Der Zweck dieses Besuches war hauptsächlich, das türkischsephardische Element, welches sich dem aschkenasischen, das dem Turnvereine angehörte, bisher fernhielt, durch das bulgarisch - sephardische zu gewinnen. Mit dieser Angelegenheit wurde Herr Heinrich Abraham, der Begründer der Makkabi - Organisation Bulgariens, betraut, dem es aucti gelang, dieselbe zum guten Ende zu führen. Kaum hatten wir die Nachricht erhalten, daß unsere bulgarischen Freunde uns besuchen würden, entflammte ein nie gekannter Eifer unter unseren Mitgliedern, der zur Ausführung aller skizzierten Pläne viel beigetragen hat. Mehrere Kommissionen wurden bestellt, die ihrer Pflicht mit der größten Gewissenhaftigkeit nachkamen und das wieder ließ uns hoffen, daß sich unsere Makkabäer den bulgarischen gewachsen zeigen würden.