Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 7/8 (7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8 103 gelangen, die am Tische des Bootshauses %wm Abendbrot einladen. Hier wird außer im „Futtern" noch manche Leistung im Rudererlatein vollbracht, bis wir — in gesunder Müdigkeit schon halb schlafend — unsere Betten aufsuchen. Für Pfingsten waren mehrtägige Touren angesetzt und die Urlaubszeit wird von einigen Mannschaften zu Bootsreisen nach den märkischen und vielleicht auch mecklenburgischen Seen benutzt. Die Flotte der Ruderriegen des Jüdischen Jugendbundes und der Vereine Jüdischer Studenten besteht zurzeit aus 1 Sechser, 4 Vierern und einem Doppelzweier sowie mehreren Privatbooten und beßndet sich in Grünau, Dahmestraße 4, 'wohin auch Zuschriften zu richten sind. Max Heller. Nachtturnfahrt. Von Fritz Abraham-Berlin. Die Nachtturnfahrt darf im Arbeitsplan des Jahres so wenig fehlen, wie etwa ein Schauturnen oder die Generalversammlung. Noch weit mehr ab die Tagesturnfahrten gilt sie ftir die jüngeren Turngenossen als Erziehungsmittel zur Einfachheit und Ausdauer, allen aber, den Jungen und den Älteren als ein schönes Erlebnis, das die Teilnehmer noch enger, als der Turnboden vermag, aneinanderschließt und an dessen Erinnerungen man lange zehren kann. Diesmal sollte man es keinem verübeln, der sich von der gemeinsamen Sache ausschließt. Man kann ein echter rechter Turner sein und doch den für eine Nachtturnfahrt recht unsinnigen Ansichten huldigen, daß das Strohlager dazu da sei, die knapp bemessene Nachtruhe schlafend zu verbringen, statt, wie es hier nun einmal Brauch ist, kleine Gefechte auszufechten, oder daß es genügt, nur einmal Im Waldsee Kühlung zu suchen. — Aber diesmal brauchen wir eine auserwählte Schar, aufgelegt *u ..heroischen Torheiten", der kein Wagnis zu kühn, kein See zu breit nnd «ein Weg zu beschwerlich ist. — Schon äußerlich machen die Gruppen, die man letzt jeden Sonnabend abends an den Treffpunkten beobachten kann, einen wenig „tugendhaften" Eindruck. Schon der Stehkragen — für den Philister das sicherste Zeichen der Wohlanständigkeit — fehlt vollkommen. •Lehstens hat sich einer durch die „Butterblume", die komisch von den »Ballonmützen" und Lodenhüten der Kameraden absticht, ihrem gutmütigen Spott ausgesetzt. Wer nun vollends das Malheur hat, mit solch einer Horde {" ein Eisenbahnabteil zu geraten, der wird sich, — wenn er sich nicht zufällig erinnert, selbst einmal Turner und iung gewesen zu sein — einer Gänsenaut nicht erwehren können. Denn er kennt nicht Jenes beglückende Bewußtsein, nach der Woche Mühen einmal im Kreise Gleichgesinnter auf 24 Stunden ganz herausgerissen zu sein aus allem, was einen an das Städterdasein erinnert — Unter fröhlichem Gesang und tollem Allotria hat uns die Bahn an den Ausgangspunkt des Marsches gebracht. Vorm Bahnhof wird in Viererreihen angetreten. Die Dunkelheit rechtfertigt die Marschordnung, die wir im Laufe des Tages nach Möglichkeit meiden. Voran geht ein Turner mit spärlich leuchtendem Lampion bewaffnet, der vor der „vornehmeren" Aoetylenlaterne voraus hat, daß er hin und wieder seinen Dienst versagt und so zu heiterem Aufenthalt Anlaß gibt AWei, auch drei Stunden wird so unter den Klängen von Turn- und Kneip- »edern marschiert. Wenns Glück gut ist, gibt der ausgesternte Himmel dem einen oder anderen Gelegenheit, seine astronomischen Kenntnisse auszukramen.