Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 7/8 (7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8 101 Zählt man die Schritte, die ein guter Läufer zur Zurücklegung von 100 Metern gebraucht hat, so wird man finden, daß die Zahlen, die sich ergeben, um 50 herum schwanken. Es kommt also eine Schrittlänge von etwa 2 Meter heraus. Dem angehenden Schnelläufer wird daher die Notwendigkeit klar sein, seinem Schritt die größtmögliche Länge zu geben, denn wenn er mit jedem Schritt nur 5 cm kürzer tritt als sein Nebenmann, so macht das auf die ganze Strecke gegen 2,5 m aus. Wie ist aber nun die größte Schrittlänge zu erreichen? Die Antwort darauf haben sich verschiedene Leute in sehr verschiedener Weise gegeben. Ein sehr bekannter Berliner Sprinter übte z. B. seinen Schritt auf folgende Weise: er lief in verhältnismäßig langsamen Tempo etwa 300 m, und bei jedem Schritt warf er den Unterschenkel des vorderen Beines so weit wie möglich, fast bis zur gänzlichen Streckung des Beines, nach vorn. Es steht außer Zweifel, daß dadurch sein Schritt sehr lang wurde, aber: im Rennen lief er nie so, zu seinem Glück, denn ein solcher Schritt hat seine schweren Uebelstände. Erstens ist er zu langsam, denn das Vorwerfen des Unterschenkels erfordert beträchtliche Zeit; zweitens aber ist dieses Vorwerfen an sich ein Fehler. Entweder das vordere Bein setzt gestreckt auf den Boden auf, dann bildet das Bein eine feste Strebe, die der Vorwärtsbewegung entgegen gerichtet ist, also eine Hemmung ausübt, und diese Hemmung macht sich, besonders auf hartem Boden, in einem deutlichen, unangenehmen Stoß bemerkbar; oder das Bein wird vor dem Aufsetzen erst wieder im Knie gebeugt, dann ist das Strecken und wieder Beugen eine unnütze Zeitverschwendung, und langsam darf der Schritt auf keinen Fall werden, denn man bedenke, es sind etwa fünf Schritt in der Sekunde zu machen. Schrittlänge und Schnelligkeit zugleich sind am besten auf eine Weise zu erzielen, die Arthur Duffey, der Weltrekordmann über 100 Yards, das „Laufen aus den Hüften" nennt. Hierbei wird nicht der Unterschenkel, sondern der übersehe nkel so weit wie möglich nach vorn und oben geworfen, so daß er genau wagerecht zu stehen kommt. Schrittlänge anders als so erzielen zu wollen, halte ich nicht für zweckmäßig; es nützt wenig, sich „die Beine auszureißen", wenn dadurch der Schritt gezwungen und langsam wird. Aus dieser Forderungen des Schreitens aus Oberschenkel und Hüfte heraus ergibt sich gleich ein wichtiges Merkmal für den Körperbau des veranlagten Schnelläufers, nämlich verhältnismäßig große Länge der Oberschenkel. Die Art und Weise, wie sich ein erstklassiger Sprinter im Rennen fortbewegt, stellt sich etwa so dar: der Körper ist um einen geringen Winkel nach vorn geneigt, die Brust vollgeatmet und hochgezogen, das Kinn ist mittels der straff gespannten Halsmuskulatur etwas auf die Brust gesenkt 'der Kopf darf nicht zurückgeworfen werden!) der Blick ist geradeaus auf das Zielband gerichtet. Die Arme sind leicht gebeugt und schwingen mit sehr «äftigen Bewegungen, parallel mit der Richtung der Fortbewegung, also von "inten nach vorn; doch dürfen sich die Fäuste nicht höher als bis zur halben Höhe der Brust erheben. Das hintere Bein wird iurz und kräftig gestreckt, so daß der Körper mit einem kräftigen Stoß vom Boden abfliegt; gleichzeitig wird der Oberschenkel des vorderen Beines mit aller Macht so weit wie möglich nach vorn und bis zur horizontalen Haltung hochgeworfen, der Unterschenkel pendelt mit, ohne daß aber das Bein im Knie gewreckt wird. Als Gegensatz dazu will ich auch gleich die Haltung schildern, wie sie «er Durchschnitt der schlechten Läufer zeigt: