Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 7/8 (7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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100 No. 7/8 Der Lauf über kurze Strecken. Von Martin Brustmann. Der Schnellauf ist zweifellos von allen sportlichen Laufübungen diejenige, die sich der größten Gunst des zuschauenden Publikums erfreut. Von den Gründen hierzu muß wohl seine Uebersichtlichkeit an erster Stelle genannt werden; die für jeden Läufer einzeln abgesteckten Bahnen, die beschränkte Zahl der Startenden lassen keinen Augenblick über den Stand des Rennens im Zweifel und, was zu zweit zu nennen wäre, die kurze Dauer des Rennens macht es dem Zuschauer leicht, seine Aufmerksamkeit von den Vorgängen zwischen den weißen Bändern vom Startschuß bis zum Fallen des Zielbandes fesseln zu lassen, und dies um so leichter, als ein solches Rennen von Anfang bis zu Ende ein ununterbrochenes heftiges Kämpfen ist, dessen vielfache, im Nu wechselnde Möglichkeiten die Spannung selbst des Unkundigsten nicht einen Augenblick erschlaffen lassen. Die Beliebtheit dieser Sportart läßt sie natürlich zahlreiche Anhänger gewinnen und hält sie auch umso leichter, weil das Vergnügen, das sie gewährt, im Verhältnis zu der Anstrengung, die sie erfordert, recht groß und bei der Häufigkeit der Schnelläufe als Programmnummern auf sportlichen Festen die Siegesaussicht auch nicht gering ist. Selbstverständlich fällt auch, was den Schnellauf angeht, kein Meister vom Himmel; vieles ist zu lernen und zu beachten und mancher Tropfen sauren Trainingschweißes muß fließen, ehe der wetterwendische Geselle Erfolg dem Schnellauflehrling seine Aufmerksamkeit zuwendet. Eine Bemerkung von Wichtigkeit will ich gleich vorwegnehmen. Ein wirklicher Schnelläufer, der in erstklassigen Malwettkämpfen mit Ehren bestehen will, muß eine gewisse Veranlagung aufzuweisen haben; wer als junge schon mit Passion und Erfolg gerannt ist, wird in seinen Jünglingsjahren in sportlichen Wettkämpfen eher als ein anderer auf seine Rechnung kommen, aber auch nur dann, wenn er sich die moderne Technik des Schnelllaufs zu eigen zu machen versteht. Schon der Anfang des Schnellaufs, der sogen. Start erfordert eine ganz besondere Technik, die der junge Läuier unbedingt erlernen muß. Startkunst ist nun eine Sache, die in Deutschland wenigstens in den Sportzentren nicht mehr zum gänzlich Unbekannten zählt. Ich will mich aber auf dieses interessante Kapitel noch nicht einlassen, sondern mich zuerst auf ein weit weniger bekanntes Gebiet begeben, das der SchritttechniK nämlich. Wenn auch ein guter Start vielfach ein gewonnnenes Rennen bedeutet, so darf man doch nicht vergessen, daß dem Schritt die größere Bedeutung naturgemäß zukommen muß, denn was hilft es, beim Start 1/ia oder V-, Sekunde zu gewinnen, um sie oder noch mehr in den weiteren 11 bis 1« Sekunden wieder durch schlechten Schritt zu verlieren. Starten wird sicher von vielen deutschen Sprintern lebhaft geübt, aber ich verpflichte mich, diejenigen, die ihren Schritt bewußt zu vervollkommnen suchen, an den Fingern einer Hand abzuzählen. Der Schnellaufschrltt. Es ist selbstverständlich, daß bei der großen Verschiedenheit des Körperbaues nicht zwei Leute genau den gleichen Schritt laufen können. E* wäre aber falsch, nun einfach zu sagen, jeder solle nur ganz nach sei"er Fasson laufen, denn es gibt doch immerhin eine ganze Anzahl Din*f» d,ie nicht jeder ohne weiteres weiß, deren Kenntnis aber von äußerster Wlcntigkeit ist.