Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 7/8 (7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 7/8 99 An uns ist es, sein Andenken zu ehren. Nicht durch ein Denkmal von Erz oder Stein, nicht durch Marmortafeln oder Inschriften, sondern durch die Fortführung des Werkes, das ihm als das höchste Lebensziel seiner selbst und seines Volkes erschienen war. Ein Volk ehrt sich ja selbst, wenn es seine großen Toten ehrt, aber auch nur, wenn es sie in ihrem eigenen Sinne und Geiste ehrt. So gibt es denn keine Ehrung für Moses Montefiore, die nicht aufs innigste und unzerstörbar mit dem Lande Tsrael, als der neuen Heimat für das israelitische Volk, verknüpft ist. Aber jeder Baustein, den wir in seinem Namen und in seinem Geiste für den Neubau unseres Volkes auf dem alten Bauplatz zusammentragen und planmäßig aufrichten, ist ein Stück Denkmal für den großen Toten, den wir ehren wollen. Wenn wir so sein Werk fortsetzen, ist er uns nicht tot, sondern lebt in uns, mit uns, für uns. So wollen wir bei der 25. Wiederkehr seines Todestages eine große Landspende widmen, die den Namen WO mstO führen soll, und die jüdische Arbeiterheimstätten im Lande Israel errichten wird. Und jedes Haus, das wir in seinem Sinne bauen, und jede jüdische Arbeiterfamilie, die wir hier selbständig machen, wird ein würdiges Denkmal für den großen Mann sein, den wir in seiner eigenen Weise an der Stätte seiner Sehnsucht, durch den Gegenstand seiner Liebe ehren. Ein solches lebendiges Denkmal ist für die Ewigkeit und hat vor allem die Eigenschaft, sich selbst zu ehren. VT 'ISO "h W Wir ehren Moses Montefiore, indem wir ihm von der Pracht seiner Hände geben. Heinrich Loewe. Dr. Heinrich Gabel. Am 30. Juli früh ist Reichsratsabgeordneter Dr. Heinrich Oabel plötzlich in Wien aus dem Leben geschieden. Ein Herzschlag hat diesen ausgezeichneten und hochverdienten Mann in der Blüte der Jahre hingestreckt. Abgeordneter Gabel gehörte dem reichsrätlichen „Jüdischen Klub" an, dem seine ungewöhnliche sozialpolitische Bildung und sein unermüdlicher Arbeitseifer sehr zu statten kamen. Im Gewerbeausschuß und sozial- Politischen Ausschuß entfaltete er im Interesse des jüdischen Volkes eine ungemein segensreiche Tätigkeit. Seine Reden im Plenum zeichneten sich durch Sachlichkeit und objektive Gründlichkeit aus und wurden viel beachtet. Die trefflichen Darlegungen zur Geschäftsordnungsreform und in der Budgetdebatte sind noch in aller Erinnerung. Als Obmann des jüdischen Nationalvereins für Oesterreich hat sich Dr. Heinrich Gabel unvergeßliche Verdienste erworben. Er setzte seine sanze Kraft für das Gedeihen dieser Organisation ein, hat die gesamten Vorarbeiten für die im Mai stattgehabte politische Parteikonferenz in Krakau geleitet und hat die politische Reichsorganisation des österreichischen bewußten Judentums konsolidiert. Mitten in heißer Arbeit für sein geliebtes Jüdisches Volk ist dieses hoffnungsvolle Menschenleben geknickt worden und die ganze Nation steht tief bekümmert an seiner Bahre. Dr. Gabel war am 12. April 1873 geboren. Er absolvierte die Gymnasial- und Universitätsstudien in Lemberg und eröffnete im Jahre 1902 in Lemberg eine Advokaturkänzlei. Bei den Wahlen im Mai 1907 wurde er vom Wahlkreis 61 Buczcacz in das Parlament entsendet. Er war Mitglied des Großen Zionistischen Aktionskomitees. Sein Andenken wird auch m der Jüdischen Turnerschaft stets in Ehren gehalten werden.