Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1910-07-01 · 7/8 (7.1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
7/8 (7.1910)
Date
1910-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965118-5965307--2740-4925549
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

98 No. 7/8 Palästina erblickte, so sah er für die orientalischen Juden das Heil in ihrer Überführung zum ländlichen und Handwerksberuf in den Dörfern des heiligen Landes. Der erste jüdische Wassergarten (Buiära) im Lande Israel verdankt ihm ebenso seine Entstehung, wie er die erste hebräische Druckerei in Jerusalem begründete. Siebenmal suchte er das Land Israel auf, und jedesmal wirkte er für das Wohl des Stammes, dem er angehörte, und für die Vorbereitung seiner Wiederherstellung im eigenen Lande. Als die Königin von England ihn zum Baronet ernannte und ihm gestattete, ein Wappen zu führen, setzte er in dieses die Zeder vom Libanon und das Wort D'StPlT- Nicht aus allgemeiner Menschenliebe, die Montefiore keineswegs fremd war, sondern aus jüdischem bewußten Nationalismus heraus widmete er der jüdischen Palästinaarbeit sein Leben, mit dem festen Ziele, daß diese kleinen Anfänge einst zu dem Fundamente einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk als kleine Bausteine gehören sollten. Es ist ja kein Zufall, daß die beiden ersten großen bewußten Nationaijuden der Neuzeit aus den Nachkommen jener selbstbewußten spanischen Juden hervorgingen, die zugleich mit dem reichen jüdischen Wissen ihr reiches jüdisches Qewissen mitnahmen, als sie den spanischen Landen für immer den Rücken kehren mußten. Mordechai Manuel Noah, der in Amerika auf breiter rechtlicher Grundlage einen Judenstaat gründen wollte und die Juden aller Länder zur Mitarbeit aufrief, und Moses Montefiore, der in heiligen Lande die ersten zarten Keime für ein neues jüdisches Werden bewußt legte, waren nicht allein begeisterte Nationaliuden, sie waren vielmehr hierin ganz die Erben jenes jüdischen Selbstbewußtseins, das die hochkultivierten sephardischen Juden während des ganzen Mittelalters als adelig erscheinen ließ. Sie sejbst bewiesen ihren Adel, indem sie dieses von den Vätern überkommene Nationalbewußtsein erwarben, um für ihr Volk einen ewigen Besitz daraus erwachsen zu lassen. Die erste zionistische Weltorganisation, die noch klein war, aber bereits den Cirund zur jetzigen großen, die Juden der Welt umspannenden Partei in sich schloß, führte mit Recht den Namen Montefiore-Verband. Und als die Vereine der Zionsfreunde in Kattowitz zu Jener denkwürdigen Konferenz zusammentraten, die die Selbstemanzipation des jüdischen Volkes durch Kolonisation Palästinas erarbeiten wollte, da war der hundertjährige Qreis glücklich, daß Männer und Organisationen seine Lebensarbeit abnehmen und fortführen sollten. Als wichtigsten Einzelbeschluß faßte daher die Kattowitzer Konferenz die Resolution, daß ein Institut gegründet werde, das den Namen führt: Montefiorestiftung ntPD msro zur Förderung des Ackerbaues unter den Juden und zur Unterstützung der jüdischen Kolonisten im Lande Israel. Der hundertjährige Greis sah seine Mahnungen von Erfolg gekrönt, die er als Neunzigjähriger von der Rückkehr von seiner siebenten Palästinareise aus eindringlich wiederholt hatte, Land zu erwerben für die Juden in Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias, deren Tausende gewil» sein würden, sich mit freudiger Bereitschaft dem Ackerbau zu widmen auf dem Boden der Väter, in dem Lande der jüdischen Zukunft. Moses Montefiore war nicht bloß einer von uns. Er war viel mehr- Denn er war einer unserer Allerersten, einer unserer Vorläufer, einer der großen Bahnbrecher des neuen Judentums. Er sah in der planmäßigen Arbeit des Volkes Israel im Lande Israel, ebenso wie in der Erhaltung und dem Ausbau der hebräischen Kultur, die feste Grundlage des Volkes, für das Erwachsen seiner Freiheit und Selbständigkeit. Mit unbeugsamer Energie hielt er an diesem beglückenden Olauben fest, bis der Tod dem mehr als hundertjährigen Greis dem Volke entriß, das er mit der ganzen Glut seiner Seele innig geliebt hatte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.