Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 7/8 (7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8 97 Arbeit für das jüdische Volk gewidmet. Wo es galt, für die unterdrückte Nation einzutreten, da war Montefiore zur Stelle, bald im eisigen Rußland, bald unter der glühenden Sonne der Berberei, heute in seiner freien englischen Heimat, morgen in dem von Krisen und Kriegen durchwühlten arabischen Orient. Die Macht seines Namens, der große Einfluß, sein hohes Ansehen und seine rastlosen Bemühungen waren oft genug von Erfolg gekrönt, und selbst die erfolglos verlaufenen Versuche hatten als Achtungserfolge erheblichen Wert. Montefiore war im vollsten Sinne des Wortes ein Nationaljude. Ihm King die Ehre und die Wohlfahrt seines Stammes über alles. Selbst seine Heirat muß in diesem Sinne betrachtet werden. Als er Judith Cohen heimführte, durchbrach er das Vorurteil der sephardischen Juden Nordeuropas, die es bis dahin verschmähten, mit aschkenasischen Juden eheliche Verbindungen einzugehen. Er hatte es nicht zu bereuen. Denn Judith Montefiore war die würdige und gleichwertige Gattin, die ihm fünfzig Jahre lang eine na» "Vy. eine ihm gleichstrebende Gefährtin war. In seinem Vaterlande England war er an der Erringung der Bürgerrechte für die dortigen Juden voll beteiligt. Die Würden, die ihm zuteil wurden, — er wurde bereits 1837 Sheriff von London und Middle-Sex — übernahm er, indem er nicht bloß sein Judentum nicht versteckte oder gar verleugnete, sondern indem er gerade als Jude diese Ehren annahm, durch die er weniger sich selbst als seinen Stamm geehrt sehen wollte. Im Jahre 1845 eilte er nach Rußland, um sein gewichtiges Wort für unsere Brüder in die Wagschale fallen zu lassen. Er erreichte einen Ukas, wonach den Juden gestattet wurde, Liegenschaften und Grundeigentum zu erwerben und in die Handelsgilden einzutreten. Aber im allgemeinen hatte er hier kaum mehr Erfolg als später, wo er von der katholischen Kirche das seinen Eltern gewaltsam geraubte Kind Edgar Mortara zurückforderte. Auch in anderen Ländern, wo die Juden nach dem Rechte der Barbarei behandelt wurden und noch weiden, in Rumänien und Marokko, bemühte sich Montefiore bei Fürsten und Landesherren, das Los seiner Brüder zu erleichtern. Alle diese Mühen ertrug er gern und willig um seines Stammes willen, dem er mit der Blühendsten Liebe anhing. Aus seiner innigen Liebe zu seiner Nation entsprang die gleiche Anhänglichkeit an das Land, in dem die glorreiche Geschichte der Hebräer sich abgespielt und dem sie in allem und aller Not, in der grausamsten Unterdrückung und den blutigsten Verfolgungen ungemindert treu geblieben waren. Im Jahre 1827 konnte er zum erstenmal der Sehnsucht folgen, die ihn und seine Gemahlin nach dem Lande Israel als Gast führte. Die mit dem Khedive Muhammed Ali hierbei geschlossene nähere Bekanntschaft diente ihm bei seiner zweiten Reise im Jahre 1838 bereits dazu, von diesem eine öffentlichrechtliche Konzession für die Gründung einiger Hundert jüdischer Landsiedlungen im alten Stammlande Israels zu erreichen. Nicht die Schuld Montefiores war es, daß auf dieser Grundlage nicht weiter gearbeitet wurde. Die blutigen Ereignisse im Orient ließen damals keine solche friedliche Entwicklung für das schwächste der schwachen Völker zu. Als er bald darauf zum dritten Male nach dem Orient eilte, um für die Damaskener Juden einzutreten, gegen die man eine Verfolgung auf Grund der Blutlüge inszeniert hatte, führte er mit Cremieux zusammen diese Sache zum erwünschten Ziele, vergaß aber nicht, auch für sein Lebensziel tätig zu sein; das ausschließlich der Wiedererweckung seines Volkes im alten Heimatlande galt. Auch diesmal wte'jcr versuchte er für den Ackerbau und die Erwerbstätigkeit der Palästinensischen Juden zu werben und zu wirken. Wie er für die russischen uden die eigentliche Hilfe allein in der planmäßigen Auswanderung nach