Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1910-05-01 · 5/6 (5.1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
5/6 (5.1910)
Date
1910-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965118-5965306--2714-4925524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77 Vereine zu einem ganzen zu machen, wird die Aufgabe einer nächsten Versammlung sein, die einen Zentralvorstand wählen wird, um die drei Abteilungen des Vereins zu verwalten. Die Abteilung Pera hat eine nach hiesigen Begriffen schöne Turnhalle, alle Qeräte gehören dem Verein. In dieser Abteilung turnen unter meinem Kommando 50 Herren (ungefähr 150 sind Passiv), 45 Zöglinge, 50 Mädchen und 40 Kinder. In einem Vorort turnen 50 Herren und 50 Zöglinge und in dem anderen 40 Herren. Die Turnhallen der Vororte sind nur große Zimmer, also vollkommen unzureichend. Der eine Vorort besitzt Barren, Reck und Trapez und der andere nur einen Barren und ein paar Hanteln, die beim Riegenturnen als Gerät benutzt werden. In den anderen Vororten würden auch viele junge Leute turneh, wenn wir dort einen Raum mieten könnten. Der Wille zum Turnen ist in der Bevölkerung vorhanden; es kommen z. B. 12 Turner aus einem Vorort in die Stadt, ein Marsch von einer Stunde auf schlechten Straßen ohne Beleuchtung. Es turnen außerdem unter meiner Leitung die Schüler einer jüdischen Privatschule, einer Hilfsvereinsschule und in kurzer Zeit werde ich auch an den Alliance-Schulen Unterricht erteilen. Die Alliance hat hier eine sehr schöne Schule mit einer neugebauten Turnhalle, in der augenblicklich noch die Geräte fehlen. Der Hilfsverein würde sich bei der Bevölkerung sehr beliebt n,achen, wenn er Turnhallen errichten lassen würde; denn der türkische Staat sorgt absolut nicht dafür. Auf dem Turnboden spreche ich nur franzwisch und hebräisch, letzteres erlerne ich bei einem sehr tüchtigen Lehrer. Um die hebräische Sprache in dem Verein einzuführen, werden wir, sobald das nötige Qeld vorhanden ist, Lehrer engagieren, die vor dem Turnen eine halbe Stunde Unterricht erteilen, dies wird obligatorisch eingeführt. Wir können nämlich so lange turnen, als es uns beliebt, manchmal bleiben wir bis Mitternacht. Neue Turngeräte werden hier nach meinen Angaben gearbeitet, ia selbst in einem Vorort wird eine Turnhalle nach meinen Angaben gebaut werden. Sie sehen, ein verantwortungsvolles Amt! Um so größer ist die Freude, wenn man den Erfolg sieht. Ich bin jeden Tag in einer änderen Abteilung, ich bin Mitglied des Vereins und werde in den Zentralvorstand gewählt werden, um den ganzen Turnbetrieb zu beaufsichtigen. Ich fange in einer Zeitung, wie bei uns die „Jüdische Rundschau", kleine Artikel iber das Turnen zu schreiben, die vom Präsidenten ins' Französische übersetzt werden. Unsere hiesige Turnzeitung hat gar keinen Wert, da die Leute deutsch nicht verstehen. Der Verein besitzt auch eine kleine Bibliothek, d,e ich geordnet habe. Am Sonntag, den 22. Mai, machten wir unsern ersten Turnmarsch. . .Turner marschierten 6 Stunden lang auf schlechten Wegen, zum großen eJl auch über Felder, um zu einem herrlich am Marmarameer gelegenen . ororte zu gelangen. Die Natur ist hier einfach verschwenderisch. In Floria Was ist der Vorort) erwarteten uns schon alle diejenigen, die ihren Beinen le Anstrengung eines tüchtigen Marsches nicht zumuteten. Der Nachmittag w"rde mit Turnspielen verbracht. Den Rückweg traten wir mit der Eisenbahn an. Die Turner hier sind ein vorzügliches Material, alle groß und schlank Sehachsen. Ich freue mich jetzt schon sehr, Ihnen auf dem nächsten Turntag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.