Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 5/6 (5.1910)
- Date
- 1910-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Brief aus Konstantinopel. Hiermit lasse ich Ihnen den Bericht unseres Turnfestes zugehen, das wir am Sonntag, den 1. Mai, in einem nur von Juden bewohnten Vorort veranstaltet haben. Ungefähr 200 Turner marschierten in einem sehr geordneten Zuge, dem eine jüdische und eine türkische Pahne vorangetragen wurde, durch die'Stadt. Der letzte Teil des Weges wurde mit Militärmusik, die uns vom Militärkommando überlassen war, zurückgelegt. Die ganze Bevölkerung des jüdischen Stadtteiles war auf den Beinen. Der Turnplatz selbst war sehr festlich eingerichtet. Wir hatten hohe Qäste, die jüdischen Abgeordneten des Parlaments und zwei türkische Offiziere. Der amerikanische Botschafter, Herr Strauß, hatte dem Verein drei Ehrenpreise gestiftet. Sie sehen also, daß wir uns hier mit den maßgebenden Kreisen sehr gut stehen. Aber auch die Bevölkerung ist uns sehr gewogen, das zeigte sie durch ihr Erscheinen in Massen, obwohl wir mindestens 1 Franc Entree erhoben. Ich möchte Ihnen von vornherein sagen, was turnerisch auszusetzen w*r- Das ganze Schauturnen war das Resultat eines 12 Wochen langen Drills. Turner, denen die Elementarübungen fehlten, vollführten komplizierte Stabübungen. Die Turner marschierten ohne Qleichtritt an ihr Gerät, vor allem aber war die jedesmalige Aufstellung zu den Gemeinübungen eine vollkommen unkorrekte. Doch kann man seine Bewunderung der Leitung nicht versagen, wenn man bedenkt, daß sie mit völlig neuen und ungeübten Turnern dieses Fest zustande gebracht hat. _ Die Stabübungen bestanden aus Stabdrehen mit Ausfall- und Hockstellungen. Es folgten ein Reigen mit Reifen unserer Mädchenabteilung und ein Tanz von 12 als Vögel gekleideten Schülerinnen. Sehr schön klappten die Beübungen unserer Jünglingsabteilung. Eine Barren- und Reckriege zeigten uns in Kürübungen die Fähigkeiten der besten Turner, die über das Mittelmaß nicht herausragten. Viele Freude bereiteten die Fahnenübungen unserer Mädchenabteilung, die sich aus verschiedenen Armkreisbewegungen zusammensetzten. Schneidig und kraftvoll waren die Uebungen mit dem Gewehr, die sich sehr stark an Stabübungen anlehnen, nur daß sie eben bedeutend ausdrucksvoller geturnt werden können. Den Schluß bildeten Pyramiden der einzelnen Sektionen. Der Rückmarsch erfolgte in der Dunkelheit wieder mit Musik, von dem Jubel der Bevölkerung begleitet, die uns verschiedene Male Ovationen brachte. Wir hatten einen starken moralischen und pekuniären Erfolg. Wir haben uns hier sehr gefreut, den Verein in der letzten Turnzeitung abgebildet zu sehen. Anschließend an meinen vorigen Brief möchte ich Ihnen heute einzelne Details über unseren Verein geben. Die Generalversammlung ist verschoben worden, deshalb sind nieine Angaben keine Statistik des alten Jahres, sondern der augenblickliche Zustand des Veieins. In der Stadt (Pera) und in zwei Vororten bestehen zusammen drei Turnvereine, alle mit dem Namen „Makkabi", auch mit demselben Statut. Jeder von ihnen ist ein selbständiger Verein. Diese drei