Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 3/4 (3.1910)
- Date
- 1910-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965118-5965305--2692-4925503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
60 No. 3/4 Studentenheim. Doch erfordern vor allem hygienische und auch Distanzrücksichten die Gründung eines eigenen Heimes, eines eigenen Turnsaales. Dies schwebt uns vorläufig als das nächste materielle Ziel vor, und zu diesem Zwecke werden auch zahlreiche Unterhandlungen gepflogen. In Mailand hat sich ein Komitee zur Begründung eines jüdischen Turnvereins gebildet unter der Leitung des Rabbiners Margulies. Hedad! Posen. Neuer Turnverein. Die Frauenriege unseres Vereins ließ Herrn Henry Cohn in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein in die Liste der „Förderer der Jüdischen Turnerschaft" eintragen und spendete zu diesem Zweck dem Verband 50 M. ProBnltz. Jüdischer Turnverein. Am 6. März hielt der Verein seine ordentliche Hauptversammlung ab, die ein erfreuliches Bild der Vereinstätigkeit entrollte. Nachdem der Vorsitzende den Manen unseres so früh verewigten Verbandsobmannes den schuldenden Ehrenzoll entrichtet hatte, gab der Schriftführer Robert Kien den Rechenschaftsbericht, der mit einem gedrängten Arbeitsplan für das kommende Jahr schloß. Wir entnehmen dem Bericht, daß der Verein ein sehr gut besuchtes Schauturnen veranstaltet hatte, welches von intensiver Arbeit und vorzüglicher Schulung am Turnplatze Zeugnis ablegte. — Vertreten war der Verein in Berlin beim Verbandstage und beim Stiftungsfeste des großen Wiener Brudervereins. Zur Belebung der Tätigkeit des jüdischen Turnvereins in Boskowitz unternahm der Proßnitzer Verein eine Turnfahrt dorthin und führte dort ein prächtiges Schauturnen vor. Der Erfolg dieser Fahrt muß sich erst in der Folge zeigen. Vor 10 Monaten ist es dem Verein gelungen, eine Damenabteilung zu gründen, die erfreuliche Fortschritte bei rasch wachsender Mitgliederzahl aufweist und beim Schauturnen schon mitarbeiten konnte. — Auch die nationale Erziehung wurde nicht vernachlässigt, doch soll dieser im nächsten Jahre erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dem Berichte des Turnwartes der Männerabteilung ist zu entnehmen, daß der Verein bei einer Mitgliederzahl von 45 Turnern 100 Turnstunden, die von insgesamt 1541 Turnern besucht waren, im verflossenen Jahre abhielt, also unter zirka 33 prozentiger Beteiligung der Turner. Das Damenturnen umfaßte in 10 Monaten 80 Turnstunden mit einem Qesamtbesuch von 1612 Turnerinnen, d. i. ca. 75 Prozent der Mitgliedschaft Der Kassabericht wies bei ca. K- 3000,— Ausgaben die gleiche Höhe der Einnahmen auf. Neuanschaffungen an Oeräten kamen nicht vor. Alle Berichte wurden genehmigt und dem abtretenden Turnrate Dank und Absolutorium erteilt. Den größten Teil der Beratungen nahm eine Statutenänderung im Sinne des Normalstatutes der „Jüdischen Turnerschaft" ein. Die Hauptversammlung nahm mit lebhaftem Bedauern die offizielle Mitteilung vom Scheiden des langjährigen Schriftführers des Vereins, der n«n Wien Ubersiedelt, auf. Turnbruder Robert Kien, der durch fünf JahreDd!f Schwungrad des Vereins war, der bei allen Schöpfungen dieser Zeit P«* stand, viele von ihnen allein ins Leben rief, jederzeit seine große Arbeitskraft in den alleinigen Dienst des Vereins stellte, dabei allen Mitgliedern «•» beste Freund, der treuste Kollege, der eifrigste Turner und der beliebteste Oeselischafter war, scheidet als aktives Mitglied aus dem Verein und hinterläßt eine klaffende Lücke. Zum Zeichen der Anerkennung für seine hervorragenden Verdienste hat die Hauptversammlung auf Antrag des Turnrates den scheidenden Schriftführer zum Ehlenschriftführer des Vereins mit dem Rechte der Ehrenmitgliedschaft ernannt.