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Jüdische Turnzeitung · 1910-03-01 · 3/4 (3.1910) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
3/4 (3.1910)
Date
1910-03-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 3/4 53 es doch in hohem Maße Gewandtheit und Geistesgegenwart. Die zahlreichen Qänge des Schul- und Freifechtens sind in den Vorschriften systematisch dargestellt. Von altersher im Heere eingeführt ist bekanntlich das S c h \v i mns e n. Die Militärschwimmanstalten sind zum Teil vorbildlich eingerichtet. Jeder Kompagniechef setzt seinen Stolz darin, einen recht hohen Prozentsatz seiner Leute zu Freischwimmern auszubilden. Für Fahrtenschwimmer ist der gefürchtete Sprung vom Turm in kleiner Ausrüstung obligatorisch. Weniger bekannt dürfte es sein, daß bei einzelnen Truppen, z. B. den Pionieren und der Küstenartillerie, ein großer Teil der Mannschaften auch im Fudern unterrichtet wird. Fn den Gebirgsinfanterie-Regimentern (München, Freiburg i. B.) werden Abteilungen im. S k i 1 a u f e n ausgebildet. Bei so vielseitiger Betätigung konnte es nicht Uberraschen, daß in neuerer Zeit ein Erlaß des Kriegsministers zum Betriebe des Fußballspiels aufforderte. Schon heute gelten die Mannschaften unserer Kriegsmarine als gute Fußballspieler; es wird nicht lange währen, bis auch unsere Landsoldaten im Wettkampf mit Sportvereinen ihren Platz behaupten. Viel hängt natürlich von der Anleitung und dem Interesse der Vorgesetzten ab. Es Kibt junge Leutnants, die ihre Abteilung nach gut getanem Dienst ein fröhliches Spiel unternehmen lassen, Wettläufe und Ringkämpfe veranstalten, und ich erinnere mich gerp einer Schneeballschlacht, die wir im damaligen schneereichen Winter unter Beteiligung unserer Unteroffiziere ausfochten. aß die Sieger bei all diesen Anlässen mit kleinen Aufmunterungen, Zigarren osw.( bedacht werden, ist die persönliche Note, die mancher Vorgesetzte m't viel Geschick und Verständnis hineinbringt.— An turnerischen und sport- >chen Vorführungen vor der Öffentlichkeit (Kaisers Geburtstags-Feier, Kom- Pagniefest) pflegt es keinem Jahrgang zu mangeln. Es bleibt Übrig, zu betonen, daß der Turner von Anfang an ein Übergewicht gegenüber dem Nichtturner hat, daß er die Strapazen der Märsche Je'chter erträgt, sich schneller akklimatisiert und in die militärische Zucht und D'sziplin hineinfindet. Wievielmehr Freude bietet das militärische Leben in seinen zahlreichen Turn- und Fechtstunden dem körperlich Geübten, wie gern nöl"t er im Dienstplan des folgenden Tages das Wort: Turnen. Der Deutsche Reichstag hat sich in seiner gegenwartigen Session mit er Frage beschäftigt, ob den turnerisch qualifizierten Rekruten angemessene ergünstigungen einzuräumen seien. Wurde der entsprechende, von den iberalen eingebrachte Antrag auch abgelehnt, so erwies sich doch, daß eingehende Erhebungen, denen die Statistik der Deutschen Turnerschaft zugrunde fsw' 'm Qange sind und die Arbeit der Turnvereine im Dienste der Wehr- «nigkeit rücksichtslos anerkannt wird. Die Frage liegt nahe, ob dem Turner im Heere Gelegenheit zur weisen Ausbildung gegeben ist; sie mtfß unbedingt beiaht werden. Wenn auch vielleicht für einen guten Turner wenig Aussicht auf Erlernung neuer Übungen fsteht, so gewähren Strammheit und Exaktheit in der Ausführung Vorteile, Ie im Bereiche des Turnvereins schwer oder gar nicht erzielt werden. Und hier ist ein Feld für den jüdischen Soldaten, auf dem er einmal nachdrücklich beweisen kann, daß die Juden, sind sie erst zu körperlicher etätigung erweckt, in keiner Weise hinter ihren deutschen Kameraden

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