Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1910-03-01 · 3/4 (3.1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
3/4 (3.1910)
Date
1910-03-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4921092-5965118-5965305--2684-4925495
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

52 No. 3/4 Aber es sind ja nicht immer soziale und wirtschaftliche Fragen, welche die Juden zwinge-!, die Hygiene gänzlich in den Hintergrund zu stellen. Wie oft sind es auch Einrichtungen. Gebräuche und Sitten, wie das frühe Einschulen der Kinder, die Chedres, das frühe Heiraten, die allen Regeln der Volksgesundheit Hohn sprechen. Hierin konnte eine geregelte Ausstellung unbedingt Gutes bewirken. Auch vermissen wir zu unserem größten Bedauern gänzlich die Frage der körperlichen Hebung der Judenheit, die Maßregeln der Organisationen und Institutionen, die in großzügiger Weise die physische Judennot zu lindern bestrebt sind. In dieser Hinsicht müßte auch die „Jüdische Turneischalt" sich an der Ausstellung beteiligen, etwa durch Auslegung der sich mit dieser Frage beschäftigenden Publikationen der „Turnzeitung'S der Festschrift zum IV. Turntag u. a. In jedem Falle wird sich wohl der Ausschul! der „Jüdischen Turnerschaft" mit dieser Frage näher zu beschäftigen haben. Über das Turnen in der deutschen Armee.** Von Alfred Burin -Bar Kochba, Berlin. (Schluß.) Ein eigenes, großes Gebiet ist das angewandte Turnen, der Teil, der in die Praxis, ins Leben hineingreift. Hier wird der Soldat gewöhnt. Hindernisse, die ihm im Kampfe entgegenstehen, zu überwinden. Nicht Oraben und Wall, nicht Mauer oder Verhau sollen seinen Ansturm aufhalten, jede Breite und Höhe soll er im Laufe um sein Leben mit stürzender Eile nehmen, unter feindlichem Feuer und der Last des Gepäcks. — Diese Exercitien tragen niemals den Charakter von Wettübungen; Ordnung, Ruhe und Sicherheit in der Ausführung bilden den alleinigen Maßstab. Als Lehrmittel dient die ..Eskaladierbahn", ein Teil des Militärturnplatzes von etwa 250 m Länge und 10 m Breite, der an größeren Hindernissen enthält: Wall (Tiefsprungl. Barriere, Oraben, 3—5 m hohe Mauer oder Wand (Ubersteigen mit Hilfe der Kameraden). Hecke, Steg (Balanzieren). Die Bahn ist von mehreren und gleichmäßig im Laufschritt ohne geringsten Aufenthalt zu passieren. Ein gewandter Turner wird sie, selbst mit Sturmgepäck (Bajonett, gerolltem Mantel mit Kochgeschirr, Koppel mit Patronentaschen, Brotbeutel und Feldflasche), unschwer durchlaufen; der Unbeholfene gibt hier besonders Anlaß zu heiteren Szenen. Zum militärischen Turnen gehören aber noch einige andere Leibesübungen, die in erfreulicher Weise immer mehr gepflegt werden und geeignet sind, interessant und anregend zu wirken und manche Stunde des Soldatenlebens mit echt turnerischer Fröhlichkeit zu füllen. Da ist zunächst das F e c h t e n, bei der Infanterie als Bajonettieren, bei den anderen Waffengattungen als Säbel- und Lanzenfechten, eifrig betrieben. Hat es auch mit dem studentischen und sportlichen Fechten absolut nichts gemein, so fördert •i Siehe Jahrgang X, No. 10 11.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.