Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1910-03-01 · 3/4 (3.1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
3/4 (3.1910)
Date
1910-03-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4921092-5965118-5965305--2678-4925489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

46 No. 3 4 Leibesübung, soweit sie dem Körper dienlich ist, Berücksichtigung in unserem Turnprogramm verdient. Dieses beweisen auch die bei uns verhältnismäßig zahlreichen Riegen, die die verschiedenen Arten des Sports, wie Fechten. Ringen. Schwimmen, Boxen u. a. betreiben. Warum sollte man auch nicht Leibesübungen, die ebenso gesund und zweckdienlich wie anregend sind, für die körperliche Wiedergeburt unseres Volkes verwertbar machen? Das Herannahen der warmen Jahreszeit läßt nun vor allem die Frage unserer Stellungnahme zur Leichtathletik, zum volkstümlichen Turnen aktuell werden. Die Vorteile dieser körperlichen Betätigung vor dem Hallenturne» liegen ja klar zutage. Die staubige Luft der Halle muß der reinen, frischen Luft des Waldes weichen. Die durch übermäßiges Geräteturnen immerhin etwas einseitige Ausbildung des Oberkörpers soll durch Kräftigung und Erstarken der Beinmuskulatur wieder aufgehoben werden. Die inneren Organe, die beim Geräteturnen nur höchst zweifelhaft gefördert werden, gesunden bei der natürlichen Bewegung des Laufens, das Herz erstarkt, die Lungen weiten sich, jugendliche Lust und Lebensfreude geben uns die nötige Spannkral für die Arbeit der Woche wieder. Leider ist es meist unmöglich, an den Wochentagen im Sommer die Abendturnstunden ins Freie zu verlegen. cs verbieten dies nicht nur die im allgemeinen ungünstigen örtlichen Verhältnisse, sondern auch der dazu immer noch zu frühe Sonnenuntergang. L bleibt also nur der Sonntagvor- oder nachmittag übrig. Dennoch scheint dieses für eine tüchtige Ausbildung im volkstümlichen Turnen nicht zu genügen, was sich auf mehrerlei Ursachen zurückführen läßt. Wohl in de*1 meisten Fällen fehlt es diesen Spielen an der nötigen straffen Organisation. Unpünktlichkeit und völliges Außerachtlassen-der auf dem Turnboden bewährten Disziplin sind hier die Hauptiibel. Jeder tut. was ihm beliebt. Nur selten kommt ein nach festen Parteien geregeltes Spiel zustande. Vl Mindergeübtereu, die noch nicht mitmachen können, stehen abseits un sehen zu. Oiß Teilweise liegt dies ja an dem Mangel eines richtigen Spielleiters, u Turnwarte sind selten in der Lage, da sie die Woche über mit der Leitung der Abteilungen genügend in Anspruch genommen sind, auch hier die i"u rung zu übernehmen. Das Beste wäre eine eigene, richtig durchgefährtj| Organisation der in Frage kommenden Mitglieder in einer Riege, die si ihre Spielleiter und ihre Beamten im voraus wählt, das Programm, even tuelle Wettspiele und Wettkämpfe festsetzt. Der Turnbetrieb auf dem Spie * platz hätte in ähnlicher Weise zu erfolgen wie auf dem Turnboden. Nac dem die Spieler sich zum größten Teil eingefunden, müßte angetreten wer den, die verschiedenen Riegen, die nach Fähigkeiten geordnet sein mi,s*e|1' unter Führung eines Riegenführers an ihre bestimmten Übungen bzw. ^P*e gehen, die nach bestimmter Zeit wechseln müßten. Dadurch wird erreic » daß auch die Mindergeübten an die Spiele und Geräte kommen, die sonst aus den verschiedensten Gründen gemieden haben, und die so Spiel Freude und Genuß finden, während sie sonst vielleicht vom ~P betriebe fern geblieben wären, und umgekehrt, daß diejenigen, die aus liebe für e i n Spiel andere Übungen vernachlässigen, in allen Zweigen volkstümlichen Turnens nach ihren Fähigkeiten ausgebildet werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.