Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 3/4 (3.1910)
- Date
- 1910-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965118-5965305--2674-4925485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
42 aus der Türkei. Die Konstitution hat auch hier Wunder gewirkt. Der Konstantinopeler Verein „Makkabi" nahm national-jüdischen Charakter an, erhielt zuerst als solcher die behördliche Konzession, trat unserem Verbände bei und will nunmehr, unterstützt von derr großerr jüdischen Organisationen im größten Stile die Propaganda der Turnsache ht der Türkei einleiten: nach Überwindung nicht unerheblicher Schwierigkeiten wurde Herr Julius Hirsch vom Berliner „Bar Kochba" nach Konstantinopel als Turnlehrer engagiert. Seine Tätigkeit wird sich nicht nur auf die Organisierung und Leitung des Turnbetriebs im ,.Makkabi" beschränken, sie wird auch die Leitung des Turnunterrichts an den jüdischen Schulen in Konstantinopel und Pera, endlich auch die Gründung und Einrichtung neuer Turnvereine in einer großen Anzahl von Städten des Orients mitumfassen. Da auch in Palästina der jüdische Turngedanke sich immer mehr Bahn bricht (der dringliche Wunsch der Direktion des neuen Hebräischen Gymnasiums in Jaffa nach Erbauung einer der Schule und den Vereinen dienenden großen Turnhalle ist ein Anzeichen daffrr), und da kürzlich auch in Kairo ein national-jüdischer Turnverein ins Leben gerufen wurde, scheint es so, als ob in absehbarer Zeit die Türkei und der Orient überhaupt eine der Hauptpflegestätten unserer Bestrebungen bilden werden. Aber auch in Deutschland und Österreich, den Stammsitzen unseres Verbandes, denen sich jetzt noch die Schweiz mit der Gründung des aufblühenden, der Turnerschaft beigetretenen Vereins w. Zürich zugesellt hat, verbreitet sich unsere Bewegung und gewinnt sich Achtung und Anerkennung. Dies zeigt u. a. die Gründung der Vereine in Hamburg, Boskowitz und Brünn, von denen die beiden ersten Aufnahme in unserer Organisation gefunden haben. Insbesondere muß uns die schneidige und von glänzendem Erfolg gekrönte Konstituierung des bereits ISO Mitglieder starken Hamburger .3ar Kochba" mit großen Hoffnungen erfüllen — seine Gründung ist eine schöne Wirkung unserer mit dem Verbandsschauturnen in Hamburg unternommenen Propaganda. Einen Gradmesser für die Wärme der einer gemeinnützigen Institution entgegengebrachten Sympathien und Anerkennungen bilden bekanntlich die solchen Institutionen zuteil werdenden Stiftungen. Die jüdischen Turnorganisationen müßten, wenn jener Satz uneingeschränkt gelten würde, sehr wenig Freunde besitzen, denn von Stiftungen zu ihren Gunsten hat man bisher leider noch nichts gehört. Aber da Stiftungen nur von wohlhabenden oder reichen Personen ms Leben gerufen werden, ist nur der Schluß, daß wir keine reichen Freunde haben, gerechtfertigt. Das ist bei einer Volkssache, wie es unsere Bestrebungen sind, nicht weiter verwunderlich; im übrigen müssen wir uns mit der Tatsache trösten, daß unsere Bewegung hocn zu jung, ihre eminente Bedeutung für die Allgemeinheit noch zu unbekannt ist. Daß auch hier eine Wandlung zum Besseren bald eintreten wird, lehrt uns ein Vermächtnis, mit dem, wie uns erst jetzt bekannt wird, der im vorigen Jahre verstorbene Privatier Richard Levi den