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Jüdische Turnzeitung · 1910-02-01 · 2 (2.1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
2 (2.1910)
Date
1910-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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24 No. 2 Siedlungsgenossenschaften. Zum IX. Zlonisten-Kongreß. In der letzten Woche des vergangenen Jahres tagte der IX. Zionisten-Kongreß in Hamburg. Aus den mehrtägigen Verhandlungen ragt als höchstes greifbares Ergebnis heraus die Verwirklichung des Franz Oppenheimerschen Vorschlages: Mit der genossenschaftlichen Ansiedlung von Bauern in Palästina solle ein Anfang gemacht werden. Man tut dem Kongreß gewiß kein Unrecht, wenn man statt eines Berichtes das hier in Angriff zu nehmende Problem besonders herausschält und die Idee der Schaffung von Siedlungsgenossenschaften in ihrem Wesen, ihrer Entstehung und ihren Konsequenzen genauer beleuchtet. Den einzuschlagenden Weg lernen wir aus zwei Sätzen des Oppenheimerschen Antrages kennen: „Um die Durchführung — zu ermöglichen, überläßt der Nationalfonds pachtweise der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden. Um das Betriebskapital aufzubringen wird durch eigene Sammlung ein Genossenschaftsfonds gebildet, der an den Jüdischen Nationalfonds angegliedert wird." Das Wesen der Sache faßte der Referent in seinem Vortrage in folgenden Worten zusammen: „Es soll eine Anzahl ausgesuchter Arbeiter unter ausgezeichneter Leitung in einem Großbetrieb vereinigt werden. Sie sollen ihren festen Lohn bekommen und eine nach den Erfolgen des Unternehmens abgestufte Gewinnbeteiligung über ihren Lohn hinaus." Aus Mitteln des Nationalfonds werden auch 100 000 Fr. für die Zwecke einer solchen Genossenschaft bewilligt; die gleiche Summe wird von privater Seite aufgebracht. Das in Bebauung zu nehmende Land wird der Genossenschaft zunächst pachtweise überlassen. Die hineingesteckten Kapitalien werden in der üblichen Höhe verzinst; die Arbeiter erhalten ihren regelmäßigen Lohn. Darüber hinaus werden sie, um das Interesse wach zu erhalten, am Gewinn beteiligt, derart, daß ein Teil des Reinertrages den Arbeitern zufließt, der Rest den Geldgebern. Die ins Leben zu rufende Kolonie ist jedoch nur eine Übergangsform, ein Umweg zu der als Endziel angestrebten Form der Siedlungsgenossenschaft. Es ist das eine von den bei uns herrschenden vollkommen abweichende Wirtschaftsform, und ehe wir uns damit befassen, müssen wir in aller Kürze denselben Gedankenweg gehen, der auch Franz Oppenheimer zu seiner Siedlungsgenossenschaft führte. Dazu müssen wir erst einen kurzen Blick auf die wirtschaftlichen Zustände unserer Kulturländer werfen. Überall finden wir starke Entwickelungen zur Industriewirtschaft hin, und alle Betrachtungen, die man in dieser Hinsicht machte, stellten die Maschine an den Anfangs- und in den Mittelpunkt. Hieraus entwickelte sich die theoretische und allmählich landläufig gewordene Ansicht, daß die Maschine Arbeiter überflüssig macht, infolgedessen

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