Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 2 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 23 seine Stellung geben, daß er ein Sinner in der Turnkunst sei und im unerschöpflichen Turnsystem neue Werte scharfe. Waren auch unsere Riegenführer bei der Eigenart des Materials gehalten, bekannte, festsitzende Übungen zu wählen, so mußten sie dennoch ihren Stolz darin suchen, bei einem Verbandsschauturnen, und sei es lediglich vom Standpunkt der Propaganda betrachtet unter Ausschluß vergleichender Wertung unter den Riegen, eine Persönliche Note zu finden, die in ihnen mehr als den Einpauker erkennen laßt. — Viel ist in der Riegendisziplin gelernt worden, die sonst eines der Hauptübel gewesen ist; hier haben die beharrlichen Mahnungen offenbar genutzt. Das Kürturnen stand diesmal nicht mehr ganz unter dem Eindruck einzelner Gipfelleistungen; es ist breiter, ergibiger geworden. Wenn die Forderung der geordneten Kürriegenbildung weiter durchdringt, wird noch vieles herauszuholen sein, das verkannt schlummert. Die Geräte waren dauernd belegt, und die Vereine haben sicherlich seit dem IV. Turntag fleißig gekürt, wie eine Reihe neuer Kombinationen bewies, mit der uns unsere Musterturner erfreuten. Obgleich wir unsere Ansicht, das Geräteturnen müsse den Kern jeglicher Turneret bilden, wiederum bestätigt fanden, so sollte uns doch der weitere Verlauf des Schauturnens, in dem die Massen nichts Rechtes mehr zu bieten hatten, sondern zugunsten von Sondervorführungen zurücktraten, r-achdenklich stimmen. Gewiß sei den Stabübungen unserer Kölner Freunde und den bewunderten Freiübungen der drei Berliner ein gewichtiger Platz in Jedem Programm gern gegönnt, aber sie können in der Entwickelung der Leibesübungen nicht den hervorragenden Platz behalten, sind vielmehr geeig- »et, bei einem weniger beifallsfrohen Publikum das Bedenken der geringen Volkstümlichkeit und unerreichbaren Spezialtechnik hervorzurufen. Da wird die ireie Betätigung unserer Budapester Freunde, die nachher in den vorzüg- 'ichen sportlichen Leistungen vielen so neu und ursprünglich erschien, bei sinngemäßer und moderner Auslegung unserer Ziele zweifellos mehr Einführung finden. Selbst im begrenzten und schwierigen Räume des Saales lassen sich derartige Massenvorführungen inszenieren, die dem Bedürfnis der Zuschauer, Meßbares zu sehen, entgegenkommen. Das Frauenturnen war auch turnerisch ein Erfolg, wenn man berücksichtigt, daß es sich hier um eine Schar handelte, die sich lediglich zu dieser Veranstaltung zusammengefunden hatte. Waren auch die Stabübungen an s'ch kein Novum, so wirkten sie doch auf das Turnerauge ebenso anregend und durch natürliche Orazie belebend, wie der eine gesellige Fröhlichkeit verkörpernde Reigen des Fräulein Burchard. Zwölf Vereine haben an dem Werke gebaut, auf das wir jetzt stolz zurückblicken. Es ist eine Kraftprobe der Jüdischen Turnerschaft gewesen, die uns zeigt, was in uns ist, wenn wir vollen. Und mit diesem Willen, den wir im Turnbetrieb des Alltags erwecken, den wir durch unsere Übungen festigen und stählen sollen, gehen wir beharrlich an die schwere Arbeit, in unsern Turnern den Menschen und Juden zu erziehen. Ef leite uns unserm Ziele entgegen! E. B.