Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 2 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Turnerische Betrachtungen über das Verbandsschauturnen in Hamburg. Die jüdischen Turner haben ihr Tagewerk wieder aufgenommen. Sie sollen nun an den Eindrücken, die sie heimbrachten, zehren, irischen Impuls in ihre Vereine tragen und Kraft sammeln zu neuer Arbeit. Zwar ist ein Schauturnen, wie ein aiter turnerischer Grundsatz lehrt, kein sicheres Kriterium für das, was in Wirklichkeit geleistet wird, aber es bietet den Maßslab, an dem wir uns messen, und das Beispiel, an dem wir leinen. Das Hamburger Schauturnen unterschied sich von den früheren Verbandsveranstaltungen durch die geschlossene Einheitlichkeit, sowohl in der Form der Leistungen, als in ihrem Resultat. Bei dem äußeren Aufbau, der für größere Vorführungen prinzipiell gegeben ist, erwiesen sich Können und turnerische Erziehung ausreichend, um die Schwierigkeiten des Kommandos und der Formation zu tiberwinden. Das bedeutet einen Fortschritt, umsomehr, als noch der IV. Turntag in dieser Beziehung zahlreiche Differenzen ergab, die zwar immer in der Theorie bestehen werden, die aber in dem Bestreben des Einzelnen, sich einzufügen und anzupassen, ausgeschaltet werden können. Die Tatsache, daß ein fremdes Kommando sogar von den nicht deutsch sprechenden Turnern mit außerordentlichem Verständnis aufgefaßt wurde, lehrt, daß das Wort auch dann die rechte Empfindung and geforderte Reaktion im geübten Turner auslöst, wenn es nicht ganz dem Sprachgebrauch nachkommt. Trotz der Vielseitigkeit in der Art der gebotenen Leistungen und der Methode ihrer Ausführung sicherte das diszipliniert aufgenommene Kommando — obzwar es nicht das ersehnte hebräische war — der Veranstalt""* den wuchtigen Charakter, der durch eine mühselige Qeneralprobe allein nie»' srzielbar ist. Diesen Erfolg sollen wir in fleißigen Frei- und Ordnungsübungen suchen; dann wird die Disziplin nicht nur dem Laienpublikum musterhaft erscheinen, sondern auch dem Turnwart das Bewußtsein geben, einer Schar vorzustehen, auf die er sich verlassen kann. Die Freiübungen gelten mit Recht als offenkundiger Ausdruck der Unterordnung unter den anerkannten Willen. Daß sie ein harmonisches Bild darstellten, beweist, daß die Auswahl der Turner auch von diesem Gesichtspunkte aus eine glückliche war. Wir haben die Gewohnheit aller Turnvereine übernommen, den einen guten Turner zu nennen, der sich am Gerät auszeichnet. Das ist ein Mangel; erst eine gleichwertige Korrektheit im Frei- und Ordnungsturnen sollte ihm den Ehrennamen eintragen. In Hamburg ist dieser Bedingung von Vielen genügt worden. Das Geräteturnen gab schon in seinem ersten Teil, dem Riegenturnen, eine Fülle trefflicher und technisch vollkommener Leistungen. Die g"te Lösung der Qeräteaufstellung, die von den Praktikern viel beachtet wurde, erlaubte den zwölf Riegen, sicher und ungestört zu turnen. Aber in der Folge der mit großem Geschick und langer Erfahrung einstudierten Gruppen konnte man Eins vermissen, die Phantasie, die jede einfache Übung aus dem Uberkommenen, Nachgeahmten heraushebt und zu etwas Eigenem, Persönlicher« des Vorturners macht. Das soll ja dem Vorturner erst das volle Anrecht auf