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Jüdische Turnzeitung · 1910-01-01 · 1 (1.1910) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
1 (1.1910)
Date
1910-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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No 1 11 eine speziell jüdische Frauenfrage, und in der Wahrung der Rechte der Jüdischen Frau, in deren Ausgestaltung begegnen sich die Anhänger der verschiedensten Richtungen innerhalb der Judenheit. Sehen wir daraufhin speziell unsere auf eine körperliche Hebung unserer Gemeinschaft hinzielende Turnbewegung an, so linden wir zu unserer großen Freude, daß unserer Sache von allen Seiten, insbesondere auch von orthodoxer, aufrichtige Sympathie entgegengebracht wird. Hochangesehene Männer und Frauen, denen das Judentum, die jüdische Volkssitte ein hohes Ideal ist, tragen kein Bedenken, ihre Töchter unseren jüdischen Turnvereinen anzuvertrauen und sind uns 'ür unsere Arbeit dankbar. So soll und wird es auch bleiben! Das jüdische Mädchen und die jüdische Frau bedürfen nicht weniger als die jüdischen Männer einer kräftigen körperlichen Durchbildung und Erziehung, damit die kommende Generation aufrechter und kraftvoller wird, damit das alle Tatkraft lähmende Bewußtsein schwindet, daß wir körperlich nicht volle Menschen seien. Erkennt man aber an, daß der jüdische Turnverein auch der jüdischen l"'rau offenstehen müsse, so muß man logischerweise auch zugeben, daß alle die Mittel erlaubt sind, die dazu dienen, möglichst die ganze jüdische Weiblichkeit zu uns herüberzuziehen. Die Beteiligung von Damen an unseren ^chanturnen übt erfahrungsgemäß die vorzüglichste Werbekrait Mir das rrauentumen aus: die zuschauenden jüdischen Vater und Mütter überzeugen sich, daß der jüdische Turnverein eine hervorragende Statte is.t, aui der die pflege des Körpers und die jüdischer Gesinnung Hand in Hand gehen. Wenn heutzutage das Turnen unserer Frauen und Mädchen leider noch keine allgemeine üidische Volkssitte ist. so wird es hoiientlich eine der schönsten Verden! Z. Das Makkabäerfest des jüdischen Turnvereins „Makkabi"- Konstantinopel. Das Fest, das am 12. Dezember viele Hunderte Konstantinopeler Juden a"s allen Schichten der Bevölkerung in den Sälen der „Teutonia" vereinigte, wird als ein Ereignis von Tragweite in der Erinnerung fortleben. Zum ersten Male ist der verschüchterten türkischen Judenheit der nationale Geist und ein wahrhaft freier Geist fühlbar gemacht worden, nicht nur in lehrhafter Theorie, sondern mit packender Gewalt, in Schönheit. Was an Tiefe und suggestiver Kraft nur immer in unserm Chanuka verborgen liegen mag, ist vor den genießenden Sinnen und Seelen heraufgeholt worden. Die Gewalt der historischen Erinnerungen mit ihren bedrückenden und erhebenden Parallelen zum a«nn und den Vorgängen in der jüdischen Massenseele der Gegenwart, die lodernde, wolkenwürts tragende Schönheit und leidenschaftliche Stärke des Juda Makkabi verkörperten Genius, die stille, herzige Poesie der Flämmenen, die von der t.iebe Jahrtausende alter Traditionen durchgeistigt schimmern, und die erhabene, erschütternde Wirkung des religiösen Grundwillens, der die Taten Makkabis zum Ausbruch brachte, und immer noch, mag einer der frömmste oder freieste aller Juden sein, in den Grundtesten seiner Seeie widerzittert, — alles das lebte auf diesem Feste auf. Es geschah durch die Aufführung der ersten beiden Akte von Otto Ludw»gs „Makkabäer", die durch Ausschaltung und Zusammenfassung zu einem einheitlieh fortlaufenden, überaus packenden Ganzen verdichtet waren. In diesem ersten Teile der Dichtung bebt die volle Gewalt der ak t i v e n jüdischen Heldenkraft, wie in ihrem zweiten die p a s s i v e jüdischen Martyriums.

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