Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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12 •No. 1 Für jugendliche, zu Taten zu begeisternde und empfängliche Seelen wie unsere Turner-Makkabis, und zur Aufrichtung und Erbauung einer Bevölkerung, die vom Leiden zu schöpferischer Tat übergeführt werden soll, konnte nur dieser erste aktive Teil in Betracht gezogen werden. Die Wirkung war in der Tat ganz außerordentlich. Keine Konferenzen und Leitartikel können die Häßlichkeit und die Schande verräterischen Assimilantentums und die stolze Schönheit nationaler und religiöser Treue so demonstrieren, wie das im lebenden Bild der dramatischen Dichtung geschah. Der Moment, da Juda den Abtrünnigen niedersticht und die Qötzenstatue zerschmettert, riß alles in selbstvergessenem Enthusiasmus zu tosendem Beifalle hin. Am Eingange des Abends hielt der Präsident, Herr A b r a m o w i t /. in französischer Sprache die Festrede, die das doppelte Ziel des Vereins, das der physischen und der geistigen Regenerierung der jüdischen Jugend zur Erörterung brachte und die idealen Verknüpfungspunkte, die der Verein mit den alten jüdischen Heldengestalten, deren Namen er trägt, verbinden. Der ernste, volkstreue Qeist. der in den Worten des Redners lag. machte nachhaltigen Eindruck. Den Schluß des Programmteiles bildete ein sinnvolles und zugleich entzückendes lebendes Bild: die Chanukalarnpe. Während die Blicke der Beschauer entzückt auf diesem Bilde weilten, sangen die hinter dem Schirm verborgenen „Renanisten" noch einmal eine Strophe von „Moaus zur" und der „Hatikwah". Es war erhebend. Das Fest war durch die Oegenwart verschiedener offizieller Persönlichkeiten beehrt. Vor allem fiel auf die sympathische Qreisengestalt des amerikanischen Botschafters Strauß, der dem Vereine ein lebhaftes Interesse entgegenbringt und dessen Erscheinen eine besondere Ermutigung fßr den „Makkabi" bedeutete. Dann war eine Vertretung des Oroßrabbiners, der selber durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, anwesend, der Qensdarmeriechef Pera und viele Offiziere. Nicht genug Lob kann der endlosen, unermüdlichen Hingabe aller Turner und Turnerinnen gespendet werden, die zum großen Teil mit dreifacher Arbeit, Qesang oder Tanz, Theaterspiel und Turnen belastet waren. Bei den Mitgliedern des Vorstandes kamen noch die immensen Organisationsmühen dazu. Alles aber wurde mit einer Lust nud Freudigkeit bewältigt, «'e ihresgleichen suchen; jeder tat sein Bestes und wuchs an der Sache selber. Alle fühlten, daß hier ein tiefer Ernst, ein Oroßes hinter der spielenden Außenseite der Veranstaltung lag. So war das Makkabäerfest des Konstantinopeler „Malikabi" ein großer, allseitiger Erfolg. Der moralische war außerordentlich. Der Erziehungswert des Abends für die Jugend ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Die Aufführung war aber auch allen Lobes würdig. Obwohl mit den elementarsten Theaterschwierigkeiten, wie ungeübten Dilettanten, und vor allem einer viel zu kleinen Bühne, zu kämpfen war, wurde doch schließlich ßewunderswertes geleistet. Der Juda des Herrn Abramowitz, der MattW* tias des Herrn Ziffer und von den Nebengestalten der Simel des Herrn Körber und der Jojakim des Herrn Berkowitz waren Leistungen, die«»* Qrenze des Dilettantentums überschritten. Zum Erfolge der Aufführung tr"* nicht wenig die Tanzeinlage bei, die zugleich einen Ruhepunkt inmitten der aufregenden Dichtung bildete. Otto Ludwig läßt den von der Schafschur «"n häuslichen Fest heimgekehrten Matthatlas von tanzenden Mägden begrWen- Dreizehn anmutige Turnerinnen in wundervollen altjüdischen Kostümen tanzten diesen orientalischen, mit Stilvollendung inszenierten Reigen, dessen Bild nicht so leicht aus der Erinnerung schwinden wird.