Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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10 No. 1 staltungen des Vereines soll das Gleichgewicht im Haushalte wieder hergestellt werden. Zum Gründungsfeste des B i e J i t z e r Brudervereines entsandte der Verein drei Vereinsmitglieder, welche sich auch an den turnerischen Vorführungen beteiligten. In Erwiderung des stattlichen Besuches, insbesondere seitens der Berliner Turnbrüder und Turnschwestern anläßlich des dritten Jüdischen Turntages in Wien nahmen 25 Vereinsmitglieder, darunter 8 Damen, am IV. Jüdischen Turntage in Berlin und dem zugleich gefeierten Feste des zehnjährigen Bestandes des Brudervereines „B a r - K o c h b a" teil. Die innigen Bande, welche durch die gegenseitigen Besuche der Berliner und Wiener jüdischen Turnerschaft geknüpft wurden, bieten eine sichere Gewähr für den dauernden Bestand dieser buudesbriiderlichen Beziehungen und damit für die Erreichung des Zieles, das sich die Jüdische Turnerschaft gesetzt hat. Der I. Wiener Jüdische Turnverein hat in den 10 Jahren seines Bestandes zielbewußt und prinzipientreu im Interesse der körperlichen Hebung des jüdischen Volkes gearbeitet. Was aber bedeuten 10 Jahre im Leben und in der Entwicklung eines tausendjährigen Volkes! Der I. Wiener Jüdische Turnverein hat seine Arbeit erst begonnen! Er ist ein bescheidener Mitarbeiter an dem Werke der Regeneration des jüdischen Volkes. In der Geschichte der jüdischen Renaissancebewegung hat er sich schon durch seine bisherige Tätigkeit einen ehrenvollen Platz gesichert. Damenschauturnen sollen der jüdischen Volkssitte widersprechen!? Die „Deutsch-Israelitische Zeitung", Regensburg, will durchaus aktuell sein. Sie vermag aber noch nicht recht mit der Zeit mitzugehen, vertritt eigene, eigenartige Anschauungen. Unser wohlgelungenes Schauturnen vor dem Hamburger Zionistenkongreß hat's ihr angetan, oder richtiger, die Beteiligung der jüdischen Damen an dieser Veranstaltung. „Diese Schaustellung jüdischer Damen entspricht nicht der jüdischen Volkssitte." Es mag sein, daß die Ansicht, die man allgemein von dem Leben der Jüdin in früheren Zeiten hat, sich mit der jenes Kritikers deckt. Aber schließlich sollte doch der Redakteur eines jüdischen Blattes etwas weniger „populär-wissenschaftlich" schreiben; schließlich sollte er doch, bevor er solche „Geschichte' verzapft, sich zum mindesten vorher selbst orientieren. Das Werk unseres verehrten Prof. Dr. A. Berliner „Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter', von dem wir im ersten Jahrgang unserer Zeitschrift den hier interessierenden Teil „Spiele und Vergnügungen der deutschen Juden" auszugsweise veröffentlicht hatten, beweist, daß auch die jüdische Frau nicht so ganz von der Welt abgeschlossen gelebt hatte. Wir hätten es uns versagt, auf die Notiz des Regensburger Blattes einzugehen, wenn das jener Kritik zugrunde liegende Postulat, daß die jüdische Frau in der ihr (angeblich) einmal zugewiesenen Rolle verbleiben müsse, »n ihrer Stellung im jüdischen Leben und im Leben überhaupt nicht gerüttelt werden dürfe, nicht zu einer scharfen Erwiderung zwingen würde. E>er Weiterbestand des Judentums wird gefährdet, wenn man erklärt, das Judentum müsse still stehen, dürfe sich nicht weiter entwickeln. Wir Juden haben