Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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8 No. 1 Turnsache bochbedeutsames Organ die „Jüdische Turnzeitung" »" den Verein Eingang fand. Damit war der Anfang gemacht mit jenen Bestre' ungen, die bald darauf zur Konstituierung des Verbandes der Jüdischen Turnerschaft führten. Im Verfolge dieser Bestrebungen beteiligte sich der Verein an der konstituierenden Versammlung der „Jüdischen Turnerschaf t". welche gelegentlich des damaligen (VI.) Zionisten-Kongresses im Jahre 1903inBasel tagte. Dortselbst fand auch das erste Verbandsschauturnen alfer jüdischen Turnvereine vor den Mitgliedern des Kongresses und unter der begeisternden Aufmunterung H e r z 1 s und Nordau.s statt. Der Verein war durch seine Mitglieder Dr. Egon Zweig, Ing. Emmelich Löwy und Dr. Max Morgenstern würdig vertreten. Besondere Bedeutung gewann die erste zugunsten des Turnhallerifonds veranstaltete Theater-Matinee durch die Anwesenheit Theodor H e r z 1 s. Es wird in der Qeschichte des Vereines ein Ruhmesblatt bilden, daß sich Theodor IKrzl über die Disziplin und die Strammheit bei der Vorführung der Übungen in der anerkennendsten Weise aussprach und erklärte, durch diese Vorführung kraftvoller jüdischer Jugend sich im Innersten erfreut und beglückt zu fühlen- Das Verdienst, Theodor Herzl eine große Freude bereitet zu haben, wird dauernd der Stolz des Vereines sein. Leider sollte dieses Schauturnen zu einem traurigen geschichtlichen Clcdenktagt werden; denn es war die letzte öffentliche jüdische Veranstaltung, bei der Theodor Herzl anwesend war. Jedem Teilnehmer am Turnen wird das leuchtende Auge H e r z 1 s unvergeßlich bleiben, das stolz die Reihen der Turner überblickte und jeden einzelnen zur höchsten Leistung anzuspornen schien. l'rnso niederschmetternder traf die Turnerschaft die Nachricht von dem iahen Hinscheiden Herzls; war doch den kräftigen Anregungen Herzls in der Mischen Studentenschaft der Oedanke zur Pflege der körperlichen Entwicklung der Juden entsprungen und war doch Herzl der treue Freund und Berater des I. Wiener Jüdischen Turnvereines, dessen Mitglied er seit seinem Bestände gewesen f s t. Im Jahre 1905 nahm der Turnbetrieb im Verein seinen regelrechten Fortgang. Von besonderen Veranstaltungen in diesem Jahre sind zu erwähnen ein internes W e 111 u r n e n, das mit schönstem Erfolge abgehalten wurde, ferner die Turnfahrt des Vereines zum Besuch des Brudervereines in Graz anläßlich seines Gründungsfestes, welche die beiden Vereine in herzliche Beziehung zu einander brachte. Am zweiten jüdischen Turntage, der in diesem Jahre in Berlin abgehalten wurde, war der Verein durch den Obmann Dr. Ludwig Werner und durch den l. Turnwart Rudolf PoIIak vertreten, welche an den Beratungen des Turntages lebhaften Anteil nahmen. Dr. Werner wurde von der Jüdischen Turnerschaft zum Vorsitzenden der Obmannschaii gewählt. Das nächste Schauturnen fand am 24. März 1906 statt, und schloß sich würdig seinen Vorgängern an. Besonders hervorzuheben ist aus den turnerischen Ereignissen dieses Jahres die erste Tagung der Obmannschaff, welche zu Ostern in Prag stattfand. Das Ergebnis der Beratungen bedeutete einen wesentlichen Fortschritt der Bestrebungen nach Vereinheitlichung der Jüdischen Turnerschaft.