Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1910-01-01 · 1 (1.1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
1 (1.1910)
Date
1910-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965118-5965301--2628-4925441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 1 dessen Mitglieder zum überwiegenden Teile aus Juden bestanden, die aber trotz aller Ablehnungen seitens der Deutschen Turnerschaft nicht von der schwarz-rot-goldenen Fahne lassen wollten. Dieser deutsche Verein, der iast ausschließlich mit jüdischem Gelde konstituiert wurde, gait in den Wiener bürgerlichen Kreisen als jüdischer Verein. Es war daher umso schwieriger, die Notwendigkeit der Schaffung eines in nationalem Sinne jüdischen Vereines in Wien zu propagieren und für diesen Gedanken insbesondere in der Wiener jüdischen Bürgerschaft Freunde zu werben. So sind auch die ersten Jahre dieses Vereines, bzw. des später an Stelle des Studemenvereines getretenen allgemeinen, des nunmehrige" I. Wiener Jüdischen Turnvereines, ausgefüllt vom Kampfe um die materielle Existenz und mehr als einmal stand der Verein vor der bangen Frage, ob es ihm möglich sein werde, sich zu behaupten. Wenn es trotzdem gelungen ist, den Verein aus diesen Schwierigkeiten herauszuführen und seinen Bestand zu sichern, so war es nur einerseits der andauernden, aufopferungsvoller. Arbeit der Vereinsmitglieder zu danken, andererseits der großen moralischen Unterstützung, welche dem Verein durch die Gründung der „Jüdischen Turnerschaft" und durch den Wetteiier mit anderen inzwischen gegründeten jüdischen Turnvereinen zuteil geworden ist. Das offizielle Judentum Wiens hat sich in allen diesen Jahren damit begnügt, durch eine mäßige Subvention den Verein als unterstiitzungswürdi« anzuerkennen. Daß der Verein unter diesen Umstünden jene Höhe erreichte, die er inne hat, ist ein Beweis, daß der Gedanke und die Ideen, die in dem Vereine zum Ausdrucke kommen, nicht nur lebensfähig sind, sondern in den Bedürfnissen des jüdischen Volkes wurzeln und trotz der ungünstigen Verhältnisse des Bodens die schönsten Früchte zeitigen. Im Jahre 1899 kam es zur Gründung des „Turnvereines jüdischer Hochschule r" und hiermit setzte die jüdische Turnbewegung in Wien ein. Unter dem Vorsitze des med. Alfred Fleischner fand am 28. Jänner 1899 eine mäßig besuchte konstituierende Hauptversammlung statt, bei welcher Ing. Emil Fried das Referat über die Gründung des „Turnvereines jüdischer Hochschüler" erstattete. Schon in dieser Gründungsversammlung gelangte ein .Qegenstand zur Erörterung, der während der ganzen Zeit des Bestandes des Vereines uicM von der Tagesordnung verschwinden sollte, die Frage der Beschaffung eines •n jeder Hinsicht zweckentsprechenden Lokales. Damals schon wurde die Errichtung einer eigenen Turnhalle angere2t, ein Projekt, daß erst jetzt, nach zehn Jahren, seiner Verwirklichung entgegengeht. Nach mehrmonatlicher vergeblicher Mühe, und nachdem die Oesuche um Überlassung eines Turnlokales in einer öffentlichen Schule von den Btnörden abgelehnt worden waren, entschloß sich der junge Verein, in einer bestehenden Privatturnschule seine Übungen abzuhalten. Bald gelangte man jedoch zur Einsicht, daß durch die Beschränkung auf die Studentenschaft der große materielle Opfer erfordernde Bestand des Vereines gefährdet sei; deshalb wurde beschlossen, den akademischen Verein in einen allgemeinen jüdischen Turnverein umzuwandeln. Im Oktober 1900 gelang es, eine Verbindung der beiden Abteilungen herbeizuführen, und damit war die Basis des „I. Wiener Jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.