Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 5 einen fein differenzierten Willen und eine ebensolche Phantasie habe. Der Geist geht voraus, er kleidet sich in Muskel, und das ist unser Fall, das ist hier der FalL Sie sind kräftige Turner geworden, mutige, frische, schwunghafte, geschickte Draufgänger, weil das als Wille Ihnen vorgeschwebt. Diesen Willen haben Sie in Ihren Muskeln verkörpert zur Erscheinung gebracht. Mens molem movit: der Geist ist es, der die Masse bewegt. Der jüdische Geist war 1800 Jahre lang aufgespart, virtuell war er vorhanden, Sie haben ihn aktuell gemacht. Darob erfreut sich mein altes jüdisches Herz. Mir dieses Schauspiel gegeben zu haben, schloß Nordau, ist etwas, wofür ich Ihnen von tieftstem Herzen danke und wofür Ihnen unser Volk gleichfalls dankt." Worte vermögen nicht die begeisterte Huldigung zu schildern, die die Tausende von Versammelten einmütig in immer erneuertem Beifall dem machtvollen Vorkämpfer jüdischer Ideale darbrachte. Es war ein Festtag der Jüdischen Turnerschaft, eine Geburtsstunde neuen Schahens, ein Quell neu verjüngten Lebens. Was in vielen Jahren stiller und ernster Arbeit an Kraft und Gewandtheit errungen war, das konnten mit Stolz die jüdischen Turner den berufenen Vertretern des jüdischen Volkes zeigen. Möge jeder in seiner Heimat den Volksgenossen künden, daß ein starkes und aufrechtes Geschlecht an die Stelle verkümmerter Ghettojuden getreten ist, daß äie alte Makkabäerkraft ihre Auferstehung gefeiert hat! Möge in der Begeisterung, die das Hamburger Schauturnen entfacht hat, der Keim zu neuen, hoffnungsvollen Werken der Volksverjüngung liegen. Dr. Max Besser, Hamburg. Das Jubiläum des I. Wiener Jüdischen Turnvereins. (Aus der hierzu herausgegebenen Festschrift.) p hn Anfang war das Wort. Wie in der ganzen modernen jüdischen Bewegung, so wurde auch in der Frage des Turnens der Juden lange debattiert, bevor man zur Tat schritt. Schon in den ersten Jahren des Bestandes der ersten Wiener jüdisch - akademischen Verbindung (Kadimah) 'Vurde versucht, den jüdischen Studenten das Turnen zu ermöglichen; der erfolg war aüer nur em vorübergehender. Erst die jüdisch-akademische ■ese- und Redehalle hat zur Zeit, da die Wehrhaftmachung der jüdischen pudenten an der Wiener Universität für die Studentenschaft eine Lebensrase bildete, mit dem regelmäßigen Turnen in einer eigenen Sektion begon-!lpn. Diese turnerische Betätigung, welche von Dr. Max Jerusalem ■nitiert wurde, hielt nur kurze Zeit an, und es zeigte sich bald die Notwendigkeit der QrUndung eines eigenen jüdisch-akademischen Turnvereins, °& nur in einer selbständigen turnerischen Organisation die systematische H"ege körperlicher Uebungen mit Erfolg betrieben werden kann. Die Gründung dieses Vereines war auch aus nationalen Rücksichten umsomehr geboten, als nach dem Ausschluß der Juden aus der Deutschen urnerschaft sich in Wien ein großer deutscher Turnverein gebildet hatte»