Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Xo. 1 graziöse Reigen Hamburger Turnerinnen wie deren Freiübungen verdienen rühmend erwähnt zu werden und wurden lebhaft akktamiert. Große Aufmerksamkeit erregten unter anderem die Athletengestalten der 10 Budapester Turner. So bietet sich dem Betrachter ein Bild voll wechselnder Eindrücke. Plötzlich stockt all dies geschäftige Leben und Treiben im Saal. Lautlose Stille tritt ein, und aller Augen richten sich erwartungsvoll auf Max Nordau, der nunmehr das Wort ergreift. Mit dem Silberhaar auf dem Haupt und doch durchglüht von jugendlichem Feuer, steht er da und läßt mit der Beredtsamkeit eines Propheten seine Worte zu den Herzen der Männer und Frauen gewaltig dringen: „Verbum caro factum est, das Wort ist Fleisch geworden. Das einst nur hingeworfene Wort vom Muskeljudentum ist Fleisch, ist Muskelfleisch geworden, das hat das Schauturnen bewiesen..... Dieses Schauspiel hat der Welt gezeigt, was sie volle 1SO0 Jahre nicht gesehen. Damals geschah es zum ersten Mal, daß junge Juden an gemeinsamen Spielen teilnahmen. Das war an den Ringkämpfen im römischen Reich und im alten Hellas. Auch in den Gymnasien sah man jüdische Jünglinge um die Preise der Athletik ringen, aber das Ziel ihrer Sehnsucht war die Preisgabe des Judentums. Sie dagegen lassen es sich angelegen sein, mit größter Mühe, mit allen den Beschwerden, die vom Turnen unzertrennlich sind, sich a 1 s J u d e n zu bewähren. Sie können mehr, denn Sie haben neben Ihrer körperlichen Tüchtigkeit den sittlichen Stolz Ihrer Abstammung, Ihrer Volkszugehörigkeit. Sie stecken Ihre Insignien vor die Brust; von weit her verkünden Sie, daß die Tüchtigkeit, die Sie verkörpern, jüdische Tüchtigkeit ist. Das ist der Fortschritt, den Sie gegenüber den letzten Turnern bedeuten, die das Judentum gestellt hat. Nur noch das eine Wort. Hier ist nicht der Ort der Worte, hier ist der Ort der Tat, der der frischen, freudigen, schwunghaften Tat. Ihre Arbeit erzieht zur Ausdauer, Tugend und Disziplin, zum Gehorsam gegen den eigenen Willen und gegen den Willen eines selbst anerkannten Führers, dem man sich freiwillig unterwirft. Wie so häufig, bin ich wieder einmal mißverstanden worden. Ich beklage mich darüber nicht, ich erwähne es nur. Es ist mir un}e£' stellt worden, ich hätte gesagt, daß der Jude darum nicht lepm Muskeltätigkeit erlangen könne, weil bei ihm das Geistige überwiegt- Ungefähr habe ich das gesagt, bloß das Gegenteil. Ich habe gesagt, der Jude muß nach allen Gesetzen der modernen Physiologie ein ausgezeichneter Turner werden können, wenn er turnen will, denn der Muskel gehorcht dem Geist. Was zuerst vorhanden sein muß — nicht um einen Stiernacken zu bilden, das ist eine Gabe der Natur — sondern ein Muskel-System zu schaffen, das, ein Werk der Feinmechanik, dem leitenden Impuls des Willens, der Phantasie, aucn Phantasie spielt hier eine Rolle, gehorcht, ist der Oeist. Das setzt voraus, daß man zunächst einen entwickelten,