Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 3 Wiedergeburt des jüdischen Volkes ihren Tribut zollten. Wer hatte nicht das Gefühl, einen historischen Augenblick mitzuerleben, als die stattliche Turnerschaft in den Saal einmarschierte und Stürme der Begeisterung den von 3000 Personen besetzten Riesensaal durchbrausten, als zum Schluß von der Tribüne der Delegierten herab schwarzbärtige Männer aus dem Osten die hebräische Nationalhymne wie einen Kampfgesang ertönen ließen! Nur zwei kurze Reden wurden gehalten; das Schauturnen war eine Tat, die mehr als alle glänzenden Reden und logischen Beweisführungen einen unauslöschlichen Eindruck bei allen Teilnehmern und Zuschauern hinterließ. Eine stattliche Anzahl Turner (ca. 125 Mann) hatte dem Rufe der Verbandsleitung Folge geleistet. Berlin, Budapest, Charlottenburg, Cöln, Graz, Hamburg, Freiburg i. B., Posen, Stettin und Wien hatten Turner nach Hamburg entsandt. Außerdem nahm am Schauturnen eine zu diesem Zweck gebildete Turnabteilung von etwa 50 Hamburger jüdischen Turnerinnen teil. Sie alle hatten nicht Mühe und Opfer gescheut, diesen Tag zu einem Ehrentag der jüdischen Turnerschaft zu gestalten. Ihre Mühe fand herzlichen Lohn. Es war ein Schauspiel von imposantem Charakter und tiefer Bedeutung. Bedeutungsvoll durch die Art der Vorführungen wie durch die Zusammensetzung der Zuschauerschaft; kein zusammengelaufenes Zufallsprogramm, das seine Neugierde befriedigen wollte. Wie alle, die die Ernst Merck-Halle des Zoologischen Gartens bis ins letzte Eckchen füllten, schauten mit freudigen Augen und stolzem Herzen auf das, was ihnen wie die Verwirklichung eines Märchentraumes erschien. Die Delegierten und Gäste des Kongresses hatten sich wohl vollständig eingefunden; viele prominente Persönlichkeiten der Hamburger Judenschaft waren zugegen. Mit freudigem Jubel wurden der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, David Wolfsohn, und der Altmeister des Nationaljudentums, Dr. M a x N o r d a u, begrüßt. Nach dem Aufmarsch entbot Dr. Ernst Tuch, Hamburg, ■m Namen des Hamburger Komites Turnern und Gästen seinen Gruß und erläuterte in markigen und gehaltvollen Ausführungen die Bedeutung der national-jüdischen Turnbewegung. Er erinnerte daran, wie Nordaus Wort vom „Muskeljudentum", das geschaffen werden müßte, begeisterten Widerhall in vielen jungen jüdischen Herzen geweckt habe. Heute könne sich jeder überzeugen, was die jüdische Turnbewegung, die jetzt ca. 5000 Turner umfaßt, in der Zeit ihres zehnjährigen Bestehens geleistet hat. Mit großer Spannung und staunender Bewunderung verfolgten die Zuschauer die turnerischen Vorführungen. Gerät- und Freiübungen "folgten unter der energischen und umsichtigen Leitung des Berliner Turnwartes, Herrn E r i c h B u r i n, mit einer solchen Exaktheit und Disziplin, daß wohl der strengste Kritiker auf turnerischem Gebiet keinen Fehler entdecken konnte. Am Barren, anv Reck, an der |Prungleine wurden sehr schwierige Übungen mit einer solchen Sicherheit ausgeführt, daß unaufhörlich Beifallssalven durch das Haus dröhnten. Auch der von Fräul. B u r c h a rd t - Hamburg geleitete