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Jüdische Turnzeitung · 1909-12-01 · 12 (12.1909) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
12 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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224 No. 12 zu Erlangen, kam dann vor drei Jahren zu Prof. Hoffa und erhielt vor zwei Jahren eine Assistentenstelle am Rudolf Virchow - Krankenhaus. Die Stellung wollte er kurz vor seinem Tode aufgeben, um an dem mikrobiologischen Institut in Haifa zu wirken. Schon in sehr früher Jugend befaßte er sich viel und mit glänzendem Erfolge mit technischen Problemen; über seine Erfindungen veröffentlichte er zahlreiche Monographien. Die von ihm erfundenen medizinischtechnischen Apparate sind in zahlreichen großen Instituten im Gebrauch. Das Menetekel. Berlin, Mitte Mai 1903. Eine Protcstversamtnlung war soeben. Tausend Juden sind zusammengekommen, und ihre Augen haben sich mit Tränen gefüllt, ihr Herzschlag hat eine Weile gestockt, und der Ingrimm ist ihnen zur Kehle hinaufgestiegen, sie zu ersticken drohend ob der Erinnerung an die Leiden ihrer Brüder in Kischinew. — Jüdischer Turner, Mann vom „Bar Kochba", hast Du nicht gefühlt: ha, hier untätig sitzen müssen! Sechsundsiebzigtausend Juden in Kischinew, und so gut wie wehrlos ihren Mördern anheimgegeben! — Der Turnwart wird morgen an unsern Keulenübungen nicht viel auszusetzen haben. Wie stark will ich den Griff fassen, wie soll sie sausend schwingen, schon krampft sich die Hand, denk ich nur daran. Ja, sie hätte schwingen sollen und krachend niederfahren auf die Morder unserer Brüder, auf die Schänder unserer Schwestern. — Ach, wir sind ja nicht in Rußland;— »wir"? unser kleines Häuflein, schau um Dich, wie viele gibt es von all den Tausenden unserer Jugend, die jüdische Turner heißen? Unsere östlichen Brüder, schnell zur Begeisterung entflammt, schnell zur stattlichen neuen Turnabteilung formiert, in bunter Bluse mit Ledergurt, wie viele sind ihrer, die ausharren, den Arm am Reck zu dehnen? „Kischinew" soll euch ins Ohr gellen, ihr Säumigen, Träumenden! Die Melancholie kleidet gut, aber in Kischinew da brauchte man Männer, die wie Eisen fest standen, mit beiden Füßen auf der Erde, keine Träumer, nein, Kraftvolle und Gewandte, Starkherzige und Feuerköpfe. Du Jude aus dem Westen, aus der Mitte des zivilisierten Europa, Du gibst Dein Scherflein für die Opfer, Du schenkst Ihnen Dein Herz: gib nur, schenke; weißt Du doch nicht, ob nicht dereinst auch Deine Kinder verwaist werden, um Brot zu betteln haben, wenn die Bestie im Menschen gierig über die Schutzwehr gestiegen ist, die Schutzwehr der Toleranz, die Dein Staat mühselig, unlustig, lückenhaft aufgerichtet hat: denkst Du an Kischinew, wirst Du Könitz nicht vergessen. Fühlst Du nun, daß nicht mehr der Intellekt Deines Stammes und seine Freunde und seine Banknoten seine alleinige Rüstung sein dürfen? — Jüdisches Weib! merkst Du, warum es gut ist, einen starben Arm und ein todesmutiges Herz zu besitzen? Jüdischer Turner! begreifst Du jetzt, was „Turnen im nat,°" nalen Sinne" heißt? Ihr jüdischen Brudervereine! begreift Ihr jetzt die starre Notwendigkeit, uns alle in einem mächtigen, tatkräftigen jüdischen

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