Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 12 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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222 No. 12 Qeorg Arndt's Streben und Wirken für die jüdische Turnsache. Einige schlichte Worte darüber, wie Arndt zu uns kam, was er bei uns suchte und was er uns gab. Bereits das Gymnasium brachte Arndt mit einem kleinen turnfrohen Kreise zusammen, dem er später in unseren Turnerschaftsreihen wieder begegnete, als er noch, ein junger Student, seine jüdische Verbindung für modern-jüdische Ziele — freilich vergeblich — zu gewinnen trachtete. Die in Arndt's feinempfindlichen Gemütsleben wurzelnde, nach starken inneren Kämpfen errungene zionistische Anschauung brachte ihn der jüdischen Turnsache um so naher, als seine männlich - stolze und zugleich bescheidene Wesensart von der Idee der körperlichen Ertüchtigung unseres Stammes mächtig ergriffen wurde. In der jüdischen Turnerschaft sah er das Substrat eines erst zu erzielenden kernhaften Volkstums. Er erkannte mit scharfem Blick, daß die große Masse der Judenheit sich zum Schaden des ganzen Volkskörpers fast ausschließlich und in übertriebenem Maße geistiger Schulung hingab, Erholung und Ideale im Cafehause und Theater suchte und infolgedessen der männlichen Energie und Kraft entbehrte, ohne die unser Volk in seinem Bestände nicht erhalten werden, geschweige denn als Kolonisationsvolk Palästina urbar machen kann. Als vorzüglichstes Mittel, alt und jung, reich und arm, Männer und Frauen, Ost und West zurückzuführen zu natürlicher, die Willens- und Körperkraft stählender einfacher Lebensart erschienen ihm die auf die Erziehung hierzu gerichteten Bestrebungen der jüdischen Turnvereine. In ihnen sah Arndt gleichzeitig die Stätte, die der Bekämpfung der Klassengegensätze, der Verbreitung der speziell jetzt im Osten notwendig gewordenen Lehren der Hygiene, kurzum der Pflege edlen modernen Volkstums dienen konnte. Nur so kann man es verstehen, daß Arndt, dessen aristokratische Gesinnung eine tiefe Antipathie gegen alles und jedes Vereinsmässige in sich schloß, diese Empfindungen förmlich erstickte und als unermüdlicher Verfechter der jüdischen Turnsache Jahre lang im Vereinsleben ausharrte. Sein edelmännisches Fühlen paarte sich mit jener tiefen Liebe zum jüdischen Volke, die ib° auch den Kleinsten schätzen und in dem Geringsten den küofttf? möglichen Aristokraten ahnen Hess.