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Jüdische Turnzeitung · 1909-12-01 · 12 (12.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
12 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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220 No. 12 Turnbewegung hat er ein Gebiet gefunden, auf dem er auf weitere jüdische Kreise hinausgreifend das zu erfüllen suchte, was er mit als Vorbedingung für die Erfüllung seiner Zukunftswünsche betrachtete. Er hat der Turnbewegung in Berlin lange seine Kraft gewidmet, in letzter Zeit ist er auch an die Spitze der Turnerschaft getreten, die die körperliche Regeneration der ganzen jüdischen Welt einheitlich leiten will, und er hat mit der ihm eigenen, seine Umgebung anfeuernden Begeisterung der Bewegung mit zur Blüte verholfen. In der zionistischen Vereinigung ist er selten nur aufgetreten; ihm war die Qabe des Worts nicht in dem Umfang gegeben, daß er imstande gewesen wäre, die ganze Tiefe seiner Empfindungen auszuschöpfen vor einer größeren Gemeinschaft. So war er auch nur selten zu bewegen, vor die Öffentlichkeit zu treten, um da seine innersten Wünsche auszusprechen. Und doch hatte er etwas von dem inneren Drang des Propheten, die Wahrheit, die ihm geworden, dem Volk zu verkünden. So waren es seine intimsten Freunde, denen er seine ganze Mission voll glühendem Leben eröffnete, auf die er ein Teil der gemeinsamen Aufgabe übertrug zugleich mit einem Funken seiner Siegesgewißheit. Durch sie ist dann wieder etwas von seinem Geiste weitergetragen worden auch in weitere jüdische Kreise, und die zahlreichen Besucher der Versammlung heute zeigen, daß sein stilles Wirken bei vielen Verständnis gefunden. In der letzten Zeit hat er versucht, seine ärztliche Ausbildung noch zu beschleunigen, um rascher auf den Boden zu gelangen, mit dem ihm die Zukunft seines Volkes innig verknüpft war. Gerade in letzter Zeit — wohl wenige werden es wissen — war er einem Komitee beigetreten, das die Gründung eines hygienischen Instituts in Palästina vorbereitete, und er hatte noch kurz vor seinem Tode ein Expose" ausgearbeitet, das in klarer, präziser Form nicht etwa nur die Grundlagen für dieses eine Institut darlegte, sondern das mit der ganzen Wärme für die Sache auch zugleich die Linien skizzierte für das, was er sich in weiterer Zukunft von einem solchen Krystallisationspunkt jüdischer Kultur im heiligen Lande versprach. Der Erfolg ist ihm auf diesem Gebiete abgeschnitten, er konnte es nicht mehr vollenden; man hat ihn zum Leiter des Instituts machen wollen, er hätte vielleicht in zwei Jahren schon dort tätig sein können, aber der Tod ist jetzt dazwischen gekommen. — Nach der kurzen Skizzierung dieses Lebens tritt uns doppelt unerbittlich das Schicksal vor Augen, das so ohne Wahl hier ein Ende gemacht hat. Da gewährt es vielleicht ein wenig Beruhigung für seine nächsten Angehörigen und Freunde, wenn man sich sagen kann, daß er ein Mensch war, dessen Leben eigentlich in jedem Moment abgeschlossen war: ein Mensch, der so sehr seiner Eigenart lebte, der niemals irgendwie imstande war, das von außen an ihn Herantretende anders in sich aufzunehmen und anders von sich wiederzugeben als durchtränkt mit der Note eigenster Überzeugung und eigenster Wesensart, daß eigentlich in jedem Moment auch in diesen ganz jungen Jahren schon sein Leben einen gewissen inneren Abschluß gefunden hatte. Es war ein ständiger Kampf nach Weiterentwicklung, und

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