Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 12 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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218 No. 12 üebieten. Wenn er von Erfindungen sprach auf dem Gebiete der Luftschiffahrt, der Telegraphie oder des Geschützwesens, wenn er die entferntesten Gebiete mit einer merkwürdigen Kombinationsgabe sofort zusammenschloß und Anerkennung dafür fand nicht etwa nur in den Kreisen der Laien, sondern auch bei fachlich gebildeten Sachverständigen, so hätte man denken können, daß ein Betätigungsfeld sich ihm bot, das er nicht hätte sollen beiseite liegen lassen. Und doch wäre nichts törichter gewesen, als darauf zu dringen, daß er mit diesen Fragen sein Leben ausgefüllt hätte. In frohen Stunden im Kreise seiner Freunde konnte er eine Idee nach der andern raketenartig äußern, manches hat er wohl auch skizzenhaft schriftlich niedergelegt; und trotzdem hat er das allermeiste nachher nicht weiter verfolgt. Nicht Mangel an Energie war der Grund dafür; er war ein Mensch, der gearbeitet hat, der sonst auch nie das errreicht hätte, auch nach auße hin, was er bei der Mißlichkeit seiner äußeren Verhältnisse trotzdem in jungen Jahren zustande gebracht hat. Er hat früh morgens mit der Arbeit begonnen und hat spät in der Nacht aufgehört. Nein, es war so, daß das Interesse an der Verwirklichung für ihn verloren war, sobald die praktische Bedeutung zu fehlen schien, speziell für den ärztlichen Fortschritt, dem er seine Kräfte geweiht fühlte. Das ist eine Seite seiner Art, die einen tiefen Einblick gewährt in die Motive seines Lebens, in seine Idee von der Verpfändung der eigenen Kraft als ein unantastbar Heiliges für den selbstgewählten Beruf. Es ist hier nicht der Platz, auf die Einzelheiten einzugehen, die er noch ausgeführt hat in seinem Leben; er hat auf den verschiedensten Gebieten der theoretischen wie der praktischen Medizin gearbeitet; theoretisch aber hat er sich, wie ich eben sagte, nur soweit betätigt, als er davon einen Erfolg für die klinische Medizin erwartete. In jungen Jahren hatte er bereits mehrere Patente erworben, und gerade jetzt, vor seinem Tode, sollte ein Patent verwirklicht werden, an dem er lange gearbeitet hatte und dessen materielle Erfolge seine Zukunft sicherstellen sollten. Man könnte denken, meine Damen und Herren, daß ein solch reiches Leben, wie ich es versucht habe in schwachen Worten Ihnen zu schildern, durchaus nicht mehr Raum geboten hätte für irgendein anderes. Und doch — wenn wir es aufmerksam betrachten, so werden wir rasch erkennen, daß hinter all dieser tief geheiligten und siegesgewissen Art des Schaffens noch ein größeres Treibendes versteckt liegen müsse, daß diese niemals erschütterte Festtagswe'bc ihren Urquell haben müsse, der stets neue Kräfte ihr zuströmen ließ- Und wir wundern uns dann nicht, zu sehen, daß eigentlich all das, was Arndt gearbeitet hat in seinem Leben, nur eine Materialsammlung '"r ein Letztes war in ihm: für sein Judentum. Jüdische Vereine haben diese Versammlung einberufen, um über den Juden Arndt vor allem zu hören. Wir alle wissen, daß er in erster Linie und in letzter Linie Jude war. Aber daß er bei dieser Ausgefülltheit seines Tages noch immer Zeit finden konnte zur Förderung der Wünsche für s^in Volk, wird nur dadurch verständlich, daß sich von vornherein alles