Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1909-12-01 · 12 (12.1909) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
12 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4921092-5965117-5965298--2600-4925416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 12 217 er den Geschwistern ein Führer; er, der jüngste unter den Brüdern, war der, an den sie sich vertrauensvoll gewandt haben in allem, was sie bedrückte, in allem, was an Schwierigkeiten das innere und äußere Leben ihnen brachte. Und sie fanden einen Helfer in ihn/ in seiner liebevoll selbstverständlichen Bereitschaft, sich in ihre persönlichste Art zu vertiefen, in seinen Vorschlägen und Maßnahmen, die weitblickend und tief ernst empfunden stets den siegesfrohen Stempel seines Wesens trugen. Die Hauptgrundlagen, von denen ich sprach — die durchaus nicht das Wesen des Mannes erschöpfen — haben ihren schönen Ausdruck gefunden auch in seinem Berufsleben. Sie wissen Alle, daß er Arzt war, und Sie wissen wohl zum Teil auch, soweit sie ihm näher gekommen sind, warum er Arzt war, so, daß .es ihm gar nicht möglich gewesen wäre, in der Wahl seines Berufs irgendeinen Zweifel zu haben. Die Liebe, die ihn in seinen Freunden die gesamte Menschheit umfassen ließ, mußte ihn dazu bringen, daß' er praktisch versuchte, in der Richtung seiner vorwiegenden Begabung, von der wir noch sprechen werden, dem leidenden Menschen zu helfen. Und er, der sich sein ganzes Leben lang hat plagen müssen, vor äußeren Schwierigkeiten und äußerer Not, er hat nun ans Krankenbett jenen Merkwürdigen Optimismus, jenes Beglückungsgefühl mitgebracht, das 'hn zum wirklich guten Arzt gestempelt hat. Er verstand es, in seiner unbeirrten Sicherheit vom Sieg des Guten in der Welt, aus dem Leben heraus zugleich ein Element für die Freude und für neue Lebenshoffnung zu schöpfen. Volle Herrschaft über die Heilmethoden, die dem Arzt zur Verfügung stehen, schuf ihm das selbstverständliche Vertrauen seiner Patienten, auf dessen Boden diese beglückende Art seines Wesens zu reicher Wirkung kommen konnte. Sie Alle wissen, daß er nicht nur praktisch helfender Arzt war, sondern ein Mann, der in den Kreisen seiner Wissenschaft sich einen Namen gemacht hat. Er besaß in ganz seltenem Maße die Fähigkeit der plastischen Konzeption, besonders auf allen technischen Gebieten, kie Idee blühte in'ihm auf, und an sie knüpfte sich momentan die oft weit entlegene Verwertungs-Möglichkeit. Und doch wäre es ihm niemals möglich gewesen, den Beruf des Arztes mit dem des Technikers, der ihn sicherlich rasch auf die Höhen des äußeren Lebens geführt hätte, zu vertauschen. Eine Fülle neuer Gedanken strömte ihm jederzeit zu, und es war ein merkwürdiger Genuß, etwa auf einem Spaziergang über wissenschaftliche Dinge mit ihm sich zu unterhalten, weil seine erfinderische Betrachtungsweise und die Fähigkeit der Kombination stets auch alte Probleme in ganz neuem Licht erscheinen ließen. Trotzdem hat diese hochentwickelte Begabung nicht irgendwie Macht "her ihn gewonnen, sondern es entsprach seiner Art, daß er ein Problem, das er theoretisch angefaßt hatte und gelöst zu haben glaubte, wieder fallen ließ und mit der Idee sich begnügte, wenn er nicht sah, das darin irgendein, zunächst für seinen Beruf praktischer Fortschritt lag. Seine näheren Freunde haben ihn öfters darüber befragt, warum er seine Gaben nicht reichlicher ausnützte auf allen möglichen anderen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.