Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 12 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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216 No. 12 das sichere Empfinden gehabt hätte: hier steht ein ganzer Mann vor dir; mit der ganzen Echtheit und Unverfälschtheit seines Wesens tritt er für das ein, was er für heilig und richtig erkannt hat. Wenn aber Georg Arndt imstande war, in einem Menschen jenen Qrundzug wieder zu finden, der ihm selbst notwendig als Leitmotiv des Menschentums überhaupt erschien, dann war es rührend, zu sehen, wie sein ganzes Wesen sich danach sehnte, diesen Menschen mit dem ganzen Reichtum seines Innern zu erfüllen, mit all seinem Wünschen und all seinem Hoffen. Qeorg Arndt verstand es, seine Freunde mit Freundschaft zu umgeben, wie es nur ganz, ganz wenigen vergönnt ist — eben nur solchen, die selbst einen Reichtum an Erlebnissen und einen noch viel größeren Reichtum an innerer Sehnsucht haben, und die dann das alles hinaustragen, auf die paar Freunde, die ihnen im Leben begegnen, und bei denen sie Verständnis für ihre Ai zu finden glauben. So ist er uns ein treuester Freund gewesen, und wir stehen an seinem Grabe heute deshalb auch so ganz ungefaßt und ohne Verständnis eigentlich, warum er uns genommen. Sie können sich denken, meine Damen und Herren, wie starK ein solcher Mensch, der sein ganzes Wünschen nach Hohem un Ernstem übertrug auf seine Freunde, der all das, was er sich denke konnte an Gutem und Schönem im Leben, was er verwirk'1011 wünschte auch für eine ferne Zukunft, in seinen Freunden schon verwirklicht glaubte, wie mächtige Anregung ausgehen mußte von eine solchen Menschen auf die ihm Nahestehenden. Er war das gute gewissen seiner Freunde, zu seinem stets festtäglichen Gemüt flüchtete sie von der Unrast des Tages und schöpften neue Kraft im Kamp gegen Stumpfwerden und Erschlaffen. Die große Menge war in verschlossen. Es war ihm versagt, das Wort so zu beherrschen, da ei vor dem großen Publikum zu wirken versucht hätte. Aber es % - ntigte die kleine Zahl von Freunden, die sich in deren Kreis Wied 1 weiter hinaus vergrößerte, um die Anregung, die von ihm ausging» auch auf weiter hinaus wirken zu lassen. Nach all dem ist verständlich, wie nahe er denen stehen muo » die ihm blutsverwandt, wie er die Mutter umgab mit einer Lie » die am besten sich dadurch ausdrückt, daß die Mutter mir, als ihr eben die Nachricht vom Ableben des Sohnes gebracht hatte, un Schluchzen als erstes sagte: „Er war einer, der mir den ^aJ*nmais setzte" — den Mann, der vor bald zehn Jahren gestorben ist. DaIviL war schon in dem Sohn der Gedanke und die Gewißheit 'J kommen, daß er die große und schwere Aufgabe auf sich n£ ^L. müsse, in seinen jungen Jahren — er stand damals, anfangs der ZW _ ziger, am Ende seines Studienganges — der Mutter den verstorpe Vater zu ersetzen. Und er verstand es, sich so hineinzuleben in ihm heilige Aufgabe, daß die Mutter heute zum zweiten Male trau am Grabe ihres Gatten. Das setzt uns alle in Erstaunen bei ein jungen Menschen, der in seinem Leben einen solchen Re'c^m«rar praktischen Aufgaben zu erfüllen hatte, dessen Seele so ausgefüllt w von der Arbeit für sein Volk. Wie der Mutter eine Stütze, so w*