Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 12 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No 12 215 führenden unter uns gemacht hat, und wir wollen versuchen, in der Stunde, die ihre Weihe empfängt durch den furchtbaren Ernst des Gedankens an die Enge des menschlichen Schicksals in der Weite menschlicher Sehnsucht, neue Kräfte zu sammeln, neue Hoffnung für das jüdische Volk. Klärung und Vertiefung der jüdischen Wünsche durch das Eingehen auf Einen, der ihnen diente mit seiner ganzen Kraft und mit starkem Erfolge, das ist der Weg dazu. Und das ist der einzig wahre Inhalt, meine Damen und Herren, den unsere Feier heute haben kann. Georg Arndt ist so plötzlich von uns gegangen, daß wir, seine Freunde, so dicht vor seiner Bahre nicht imstande sind, den Abstand zu gewinnen, um ein ganzes Bild in allen Einzelheiten zu geben von dem, was wesensartig war an ihm. Aber wenn wir uns trostsuchend umschauen und mit liebevoller Erinnerung einzelne seiner Züge aus den letzten Jahren — aus den letzten Wochen vielleicht nur umfangen, dann drängt sich eines auf, durchgehend durch all diese Einzelzüge, das ist die grenzenlos unerschütterliche Reinheit seines Wesens. Dei Grundzug seiner Art, den seine Freunde von Anfang an, vom ersten Moment ab, da sie mit ihm in ernsthafte Berührung traten, sofort verspüren mußten, das ist, daß er uneigennützig in einer ganz seltenen Weise allem gegenübertrat, was es auch war. Ob es Fragen des feinen praktischen Lebens waren, die sonst gewöhnlich mit dem Egoismus, den der Wunsch nach äußerem Wohlbehagen mit sich °r'ngt, gelöst werden, ob größere Fragen, in welchen sonst der kleine Eigennutz immer wieder und wieder in die Erscheinung tritt, — alles wurde von ihm angefaßt, vom Kleinsten bis zum Größten mit einer Kanz seltenen Reinheit der Motive. Von vornherein drängte 'jjjcn iedem, der ihm gegenübertrat, der Gedanke auf: Hier ist ein Mensch, vor dem du Achtung haben mußt, magst du mit ihm einig fein oder nicht; eins wird dich über alle Einzelheit hinaus mit ihm verenden, wird dich aber auch in stets respektvoller Distanz von ihm "alten: daß er ein Mensch ist, der gar keinen Eigennutz «annte. Was das heißt — ich habe nicht die Kraft, Ihnen das im einzelnen auseinanderzusetzen, aber im Leben draußen wird jeder von Jhnen gefühlt haben, daß es immer nur Auserwählte sind, denen diese Gabe eigen ist. Und vielleicht ist kaum einer von Ihnen mehr als jj'nem in seinem Leben begegnet, von dem er so rein die Empfindung hatte dieser vollkommenen Sicherheit des eigenen Wesens, die unberührt dasteht von all den kleinen Verlockungen der Welt, wie gerade °e> Georg Arndt. Jedes Verständnis eigentlich ist ihm abgegangen ™r all das, was andern Motiven entsprang, und wir alle, seine reunde, wissen sehr gut, daß er sehr Vielen häufig schroff ablehnend "egenübertreten mußte eben aus diesem seinen Grundzug heraus, Wenn ihm irgendwo in momentanen oder gar in ernsten und großen ragen etwas begegnete, was mit dieser seiner unbewußten Grunds^h r'Cllt narmonierte' Aber trotzdem wissen wir, daß gewiß keiner lch finden wird, der ihm die nötige Achtung versagt hätte, der nicht