Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Turnen und Sport. Von Prof. Dr. med. Albu. Wie zwei feindliche Brüder stehen sich Turner und Sporttreibende noch immer gegenüber. Der Ältere betrachtet den Jüngeren als minderwertig und sieht mit gewisser Missachtung auf ihn, der Jüngere hält den Älteren für rückständig und spottet seiner Pedanterie, seines Schematismus. Noch immer scheiden sich die beiden Kreise ziemlich reinlich voneinander. Ist denn ein solcher Gegensatz wirk- "eh ein natürlich begründeter? Haben Turner und Sportsleute denn Setrennte Ziele, verschiedene Zwecke im Auge? Oder ist die Kluft zwischen ihnen nicht vielmehr eine künstlich erweiterte und vertiefte? Nach den Eindrücken, die ich als unparteiischer Beobachter beider leile in den letzten 15 Jahren gewonnen habe, will es mir scheinen, als ob die gegnerische Stellung dadurch zustande gekommen ist, dass rnan sich untereinander gar nicht verstehen will. Es ist noch gar nicht ernsthaft der Versuch gemacht worden, die Kluft zu überbrücken, obwohl Verbindungsstücke dazu von jeher vorhanden waren und im Laufe der Zeit immer zahlreicher und stärker geworden sind. Das deutsche Turnen hat eine kulturhistorische Bedeutung. V'ele andere Völker haben es uns nachgemacht, aber keines hat uns aann erreicht. Doch seit den Zeiten des Vaters Jahn haben sich die ^Jetisverhältaisse mächtig geändert. Das Interesse für Körperpflege nd Leibesübungen ist in weiten Kreisen des Volkes erwacht. Nur die 2 ren Zehntausend beobachten noch immer leider eine unberechtigte urückhaltung. Alle Turnhallen und Turnplätze würden aber nicht »sreichen, wenn sich die Leibesübungen heute ausschliesslich im .urnen erschöpften. Indessen viel bedeutsamer ist die Tatsache, dass £h ganz neue Gesichtspunkte über Wesen und Zweck der Leibesung entwickelt haben — Auffassungen, welche weder besser noch be t!^er S'nd' a's d'e 'dee des urnens' a^er neDen inr Jedenfalls voll rechtigt. Es ist eben nur ein anderer Weg, der zu demselben Ziele Q .ren S0H* Eines schickt sich nicht für Alle, und während den Einen ciegenheit, Erziehung und Neigung zum Turnen hinziehen, treibt's n anderen, seine Kräfte beim Sport zu versuchen und zu stählen. m Cnde erreichen beide gleich viel! der ^urnen w'rd stets einen weiteren Anhängerkreis finden, als kan rt; wei' es j e d e m Lebensalter angemessen ausgeübt werden an st Für das Kindesalter hat es ohne Zweifel grossen Vorzug, es Kör mme ^ucnt und Ordnung zu gewöhnen; gerade der jugendliche Sej per braucht zumeist eine systematische Pflege zur Förderung s0 j3 Entwickelung. Der reife Mann andererseits erhält sich durch stark Abstufung der Kraftaufwendung beim Turnen seine Muskeln besrf a "d elastiscnfür den Sport dagegen ist ein Lebensalter ganz etwa - geeignet: das Jünglingsalter vom 18. bis 30. Lebensjahr Uu<$« m dem ein energischer Wagemut die Körperkraft bis zur «ersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit schwellen lässt. Das ist