Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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198 No. 10/11 strengender sind. Sie sollen hauptsächlich zur Vorbereitung für die Griffe und Anschlagstellungen dienen und Arm-, Brust- und Rückenmuskulatur kräftigen. Der dritte Teil des militärischen Turnens, die Rüst- oder Gerätübungen, ist derjenige, der am besten in den Rahmen des Vereinsturnens hineinpassen würde und im Gegensatz zu den bisherigen Ubungsarten, seiner Eigenart entsprechend, mehr Freiheiten bietet. Die Mannschaften einer Kompagnie werden zum Gerätturnen in drei Klassen eingeteilt. Hauptsächlich sollen geübt werden Zug- und Stützkraft der Arme, Sprung- und Hebekraft der Beine und Fingerkräfte. Die Turnvorschrift der Infanterie kennt folgende Geräte: Querbaum, Sprunggestelle, Kasten, Taue, Kletterstangen, Leitern, Schwebebaum und in Ausnahmefällen das Reck. Wer hätte nicht den Querbaum in unangenehmster Erinnerung? Zweimal Klimmziehen mit Aufgriff und dreimal mit Untergriff ist die Parole. Weiter werden verlangt: Aufzug> Wende, Knieaufzug, Kreuzaufzug, wechselarmiges Aufstemmen, fast durchweg Kraftübungen, selten einmal eine Schwungübung. Es muß gesagt werden, daß alles anfangs die Kräfte eines mittelmäßigen Turners übersteigt. Die Sprünge (Weit- und Hochsprünge) am Gestell zeichnen sich ebenfalls durch ihre Exaktheit aus. Besonders auf energisches Anhocken und lebhaftes Ausstoßen der Beine beim Hochsprung und auf gestreckte Beine beim Weitsprung wird streng geachtet; es wird mehr Wert auf diese vorschriftsmäßige Art des Sprunges gelegt, als auf das Bestreben, möglichst hoch und weit zu kommen. Am Klettertau, am baumdicken Schwebeholz, den Leitern und auch am .großen mehrteiligen Kasten werden die bekannten Übungen geturnt. Von Interesse ist das Springen am Kasten, der aus den Schulturnhallen so ganz verschwunden ist. Hier werden stattliche Leistungen, insbesondere im Freisprunge, erzielt, oft Uber zwei und drei 1,25 bis 1,50 m hohe Kästen. Als frei gewähltes Gerät, aber nur für die besten Turner, wird zuweilen das Reck freigegeben. Da zeigt sich nun eigentlich die turnerische Begabung des Soldaten vom Standpunkte des Turnvereins. Wenn ein alter Turner nach monatelangem, eintönigem Mühen am Querbaum wieder einmal ans Reck kommt, dann merkt er erst den Unterschied; es ist natürlich, daß das Turnen ihm jetzt am Reck bedeutend leichter fällt. Es werden denn auch die schönsten Übungen ausgeführt, Kippeh, Schwungstemmen, Hangvagen, hohe Wenden usw. usw., Übungen, wie sie später hier und da sogar affl Querbaum gezeigt werden. Ja, es ist nicht selten zu beobachten, wie solche Übungen am Querbaum mit Mantel und umgeschnalltem Seitengewehr ausgeführt werden. Im allgemeinen aber ist das Gros der Mannschaften, trotZr dem es der gesundeste Teil und die Blüte der Bevölkerung ist, zu ech turnerischen Übungen viel zu steif und unbeholfen, allerdings wohl aus Mangel zweckmäßiger körperlicher Betätigung vor dem Eintritt ins Heer. (Fortsetzung folgt.)