Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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200 ja das Charakteristische des Sports, dass er den Willen vor die Tat setzt, dass er das Selbstbewusstsein erweckt und den Ehrgeiz anstachelt. Der Sport begnügt sich nicht mit der einfachen Prüfung der Körperkraft, sondern er beeinflusst sie in hohem Masse durch die geistige Energie. Das Turnen ist eine Leibesübung für jedermann, es kräftigt auch gerade die Schwächeren und erhält selbst die Ältesten noch frisch und munter. Der Sport dagegen ist nur ein Betätigungsfeld für die Kräftigsten und Widerstandsfähigsten, für junge Leute, deren körperliche und geistige Elastizität auf der Höhe ihrer Entwickelung stehen. Ich möchte behaupten, dass sportliche Höchstleistungen niemals der Ausdruck körperlicher Leistungsfähigkeit allein sind, sondern in viel höherem Masse noch ein Triumph menschlicher Willensstärke. Den Willen so ausschliesslich in den Dienst der Leibeskraft zu stellen — das ist eine Kunst, welche nur der mannbare Jüngling beherrscht, der im Mute und in der Ausdauer seine Kraft zeigen will. Es ist freilich eine ganz falsche Auffassung des Sportbegriffes, damit die Idee des Wetteiferns als untrennbar zu verquicken. Die Rekord- und Preisjägerei sind höchst bedauerliche Nebenwirkungen eines missverstandenen sportlichen Ehrgeizes. Sie haben dazu geführt, dass der Sport heutzutage vielfach sogar schon industriell ausgenutzt wird, am meisten im Radrennsport, auf dessen Gebiet sich eine wilde Geschäftsreklame etabliert hat. Solche Übertreibungen der körperlichen Leibesübungen sind nur noch ein Zerrbild körperlicher Kraftentfaltung; sie sind ein Missbraucn der grösseren Freiheit, welche der Sport gegenüber dem Turnen dem Einzelnen in der Ausnutzung seiner Kräfte gewährt. Aber die zügellose Freiheit schlägt auf die Dauer niemand zum Vorteil aus! Der Sport, der nicht stets die Leibesübung als Selbstzweck im Auge behält, hat alle Daseinsberechtigung verloren. Gerade und nur durch die Verbindung von Turnen und Sport können die Fehler und Mängel, welche beiden anhaften, ausgeglichen werden; wer beide kennt, wird nicht daran zweifeln, dass sie eine sehr harmonische Ehe miteinander führen können. Die moderne Turnerei hat bereits viele sportliche Übungen in ihr Programm aufgenommen: Gehen, Laufen, Hürdenspringen, Hindernisrennen, Ger- und Speerwerfen wird auch auf unseren Turnplätzen schon vielfach betrieben, und andererseits bilden in dem Neunkampf der Leichtathletik auch einige turnerische Übungen wie Frei- und Stabhochsprung, Weit- und Trambolinsprung u. dgleinen regelmässigen Bestandteil. Feste Verbindungen zwischen Turnen und Sport stellen die Faust- und Fussballspiele, der Barlauf u. dg'- dar. Auch Keulenschwingen, Kugelstossen u. dgl. kommen hierbei '« Betracht. Allseitige harmonische Kö r p e r a u s bi 1 d u ng ■-" das ist das Ziel moderner Volkshygiene! Für unsere Jugend, welcne der hauptsächlichste Gegenstand für diese unsere Bestrebungen ist> kann dieses Ziel nicht schneller und vollkommener erreicht werden, als durch eine vernünftige Vereinigung von Turnen und Sport. Die