Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10/11 197 die ein ireierer Zug weht. Die Freude am Turnen wird selbst durch vielerlei einengende Vorschriften und die strikte Befolgung der Leitfäden nicht beeinträchtigt Die Betriebsiorm des Turnens ist etwas abschreckend. Das Antreten erfolgt im schweren Tuchanzug (im Sommer allerdings im Drillichzeug) und genagelten Stiefeln, die Prüfung meist am berüchtigten Querbaum. Daß die Mehrzahl der Rekruten unter solchen Umständen wenig Geschick bezeugt, bedarf keiner Erwähnung. „Die Leute werden in den Turnvereinen an den dünnen Stäben (Reck) und in den unnatürlich leichten Kostümen verzogen", meinte einmal ein Offizier, als verschiedene Turnvereinsgrößen, die zu Hause sicherlich ganz gute Erfolge hatten, von ihrer Kunst nur recht wenig zeigen konnten. Dieser Standpunkt ist militärisch berechtigt. Natürlich kann der Soldat beim Nehmen eines Hindernisses nicht erst seine Uniform aus- und Turnkleidung anziehen. Aber es wird vergessen, daß die Turnvereine für freie Leibesentwickelung eintreten und Sorge tragen, den Körper nicht durch dicke Kleidungsstücke in seinen natürlichen Bewegungen einzuengen. Daß sämtliche vorgeschriebenen Übungen ausnahmslos und gleichmäßig von Allen, und zwar mit einer gewissen Sicherheit und Strammheit ausgeführt werden müssen, hat seine Berechtigung, da so den Faulen und Schlappen „Gelegenheit" geboten wird, etwas zu lernen. Die Erfolge sind wohl noch in keinem Falle ausgeblieben. Ich kenne Dutzende von Leuten, die anfangs nicht einen einzigen der als Grundlage jeglichen Gerätturnens dienenden Klimmzüge am Querbaum fertig bringen konnten und schon nach kurzer Zeit den regulären Kraftaufzug vollführten. Haltung im O'iede, An- und Abtreten usw. werden höher bewertet, als die Übung selbst; manchem Sergeanten sind sie die Hauptsache, das andere gilt als notwendiges Beiwerk. Trotzdem könnten die Turnvereine hierin manches lernen. Bemerkenswert sind die Vorsichtsmaßregeln, die beim Gerätturnen obwalten. Unbedingt auszuführen sind nur die vorgeschriebenen Übungen, frei gewählte allein bei den Mannschaften der besten Turnklassen zulässig. D'e Lehrer haben sich stets von der Beschaffenheit der Geräte zu überzeugen Und sind dafür verantwortlich. Aufmerksame Hilfsstellung, weicher NiedersPrungsort, Aufschüttung von häufig aufzulockerndem Kies bzw. Matratzen m den Turnschuppen müssen stets vorhanden sein. Sonst gelten hier und bezüglich des Vorturnens dieselben Bestimmungen wie in den Vereinen. Der Lehrer soll in der Regel alle Übungen vorturnen, und es wird zur Erweckung des Ehrgeizes gern gesehen, wenn selbst der beaufsichtigende y'fizier mitturnt. Als Lehrer kommen in erster Linie sämtliche Unteroffiziere m "bracht, dann können aber auch die besten Leute der ersten Turnklasse zu Vorturnern verwendet werden. Die Übungsstätten sind fast überall ausgezeichnet. Im Sommer schöne Plätze, im Winter und bei schlechtem Wetter Kroße, iuftige Exerzierhäuser, die das Ideal so manchen Turnvereins wären. Die Freiübungen, „vorbereitende Übungen", unterscheiden sich wenig von denen unserer Turnvereine. Strammheit, Exaktheit und vor aHem «ichmäßigkeit einer noch so großen Abteilung werden angestrebt und ^reicht. Die Qewehrübungen kann man teilweise mit den Stabun£en in unseren Vereinen vergleichen, nur daß sie ganz erheblich an-