Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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196 No. 10/11 interesse unterläßt, um nicht einem Vereinsmitgliede wehe zu tun, wäre ein schwacher Turnwart, den wir nicht brauchen können. Wir Juden, die wir doppelten Zweck mit dem Turnen verbinden, haben doppelt die Pflicht, Disziplin zu wahren und der jüdischen Sache zu dienen. Das gerade ist es, worauf es bei uns ankommt. Unter allen Verhältnissen der Sache dienen, sogar dann, wenn unser Ich nicht nach Wunsch zur Geltung kommt. Uns alle verbindet die jüdische Sache, in dieser haben wir alje einen Rang, Vorsitzender, Turnwart, Vorturner oder Turner; erst sind wir Juden und haben verbündet zu arbeiten, dann erst werden wir im Rahmen unserer Kräfte klassifiziert. Jeder hat den Posten auszufüllen, zu welchem er sich am besten eignet. Ein guter Vorsitzender braucht kein guter Turner, ein guter Turner braucht kein guter Vorsitzender zu sein. Die Arbeit beider ist der Sache nötig und eine Arbeit kann nicht durch die andere ersetzt werden, sie ergänzen sich. Tun wir unsere Pflicht, ein jeder auf seinem ihm angewiesenen Posten, für unser gemeinsames Ziel! Über das Turnen in der deutschen Armee. Von Alfred Burin, Bar Kochba-Berlin. „Der Dienst bei der Fahne ist die Schule für den Krieg." Dieser im ersten Kriegsartikel enthaltene Qedanke soll Grundsatz der militärischen Ausbildung sein; in umfassender Beziehung ist er für den Felddienst leitend. Die kriegsmäßigen Übungen im Oelände stellen an den Soldaten gewaltige Ansprüche; Aufgabe des Lehrpersonals ist es, den Mann zur Gewöhnung an diese vorwiegend körperlichen Anstrengungen zu erziehen. Was lag bei der Wahl der Methoden näher, als das deutsche Turnen in den Dienstplan einzufügen und in militärischer Fassung zu forcieren. Wenn man den Begriff des Turnens nicht eng umgrenzt, ihn vielmehr als das auffaßt, was er eigentlich ist und sein soll, nämlich als die Pflege jeglicher Leibesübung, so müßte man den Heeresdienst überhaupt als eine Zeit turnerischer Schulung betrachten. In Nachstehendem soll jedoch der Zweig soldatischer Übungen behandelt werden, der schon von Dienst wegen den Namen Turnen erhält und daher für Turnvereine von besonderem Interesse ist. Das Turnen ist eins der wertvollsten Hilfsmittel für die militärische Ausbildung und Erziehung. Es soll Kraft, Gewandtheit und Widerstandsfähigkeit fördern, Mut und Entschlossenheit erwecken und das Selbstvertrauen heben. Es mag ein Zeichen der Erkenntnis seiner hohen Bedeutung sein, daß in den Vorschriften von Lust und Liebe zur Sache, Frische, Selbsttätigkeit und der Erweckung eines gesunden Ehrgeizes gesprochen wird- Wenn zwar auch hier immer noch der sogenannte Drill, der eiserne Zw*11* und das Gewaltsame eine allzu große Rolle spielen, wenn dem Rekruten durch stundenlanges Wiederholen ein und derselben Übung das Turnen fast verleidet wird, so sind die Turnräume doch oft die einzigen Stätten, durch