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Jüdische Turnzeitung · 1909-10-01 · 10/11 (10.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
10/11 (10.1909)
Date
1909-10-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 10/11 193 beschulter Lehrer verrichtet, welche jeder einen Teil der Ländereien oder des Viehes zur praktischen Verwaltung unter sich haben. Ein Schultag verläuft ungefähr folgendermaßen: Um 5 Uhr morgens weckt der Nachtwächter des Outes die jungen Leute, die für den Lauf dieser Woche eine der Arbeiten zu verrichten haben, die um 5 Uhr angefangen werden müssen, um den übrigen Betrieb zur Zeit anfangen lassen zu können. Dazu gehört z. B.: Melken, Pferde füttern und besorgen u. dgl. Um 6 Uhr stehen alle anderen auf, haben um 6% Uhr Inspektion durch das militärische Oberkommando, bei welcher Zimmer, Betten und alles sauber und in Ordnung vorgefunden werden muß. Um 7 Uhr zeigt eine Glocke die Zeit zum Frühstück an, welches gemeinsam mit dem Direktor, der Dame des Hauses und allen unverheirateten Lehrern an einer großen Tafel eingenommen wird. Urn 7y2 Uhr kann man die „Jungen" in Trupps nach den verschiedenen Teilen der Felder, Baumschulen, Gärten, Ställe, Treibhäuser, Bienenzüchtereien usw. abrücken sehen, je nachdem ihnen das Schicksal resp. die weise Lmsicht des Herrn Direktors, alle gleichmäßig in allen vorkommenden Dingen zu "Herrichten, ihre Arbeit für die Dauer von ein bis drei Wochen zugewiesen hat. Um 12 Uhr hört man wieder die Qlocke über die Felder schallen und man sieht ja schon an der Sonne, daß es ungefähr Zeit zur Mittagspause ist- Überarbeiten tut sich keiner, aber getan wird etwas, dafür sorgt der Verwalter und Lehrer einer jeden Abteilung und auch der Eifer und die Wißbegierde der Schüler. Um 1 Uhr ertönt das Zeichen zum Mittagessen und bis ahin hat sich jeder gesäubert und umgekleidet, und nimmt seine Mahlzeit ,n dem schönen Speisesaal mit der Fakultät ein, unter munteren Gesprächen und erwartungsvollen Blicken nach der Posttasche, die um diese e't eintrifft und deren Inhalt Nachrichten aus weiter Ferne birgt. Nach gemeinsam aufgehobener Tafel begibt man sich auf das Zimmer, ln den Gesellschaftsraum oder was man gerade am geeignetsten hält, um tas Mahl und den Inhalt eines Briefes am besten zu verdauen. Rauchen ist streng verboten, was bei dem Geist der Abstinenz hier drüben kein so aufendes Vefbot ist, wie es zum Beispiel in Deutschland wäre. Gegen 2 Uhr beginnen die Unterrichtsfächer und von 4 bis 6 Uhr 1 eitet jeder auf seinem eigenen Boden oder sonstwo auf den Ländereien, w'e ihm für je eine Woche beschieden. Von 6 bis 6V2 Uhr ist militärischer r'll und dann Abendbrot. Um 9% Uhr tönt das Zeichen zum zur Ruhe sehen, und um 10 Uhr muß jeder in seinem Bette vom militärischen Oberaupte vorgefunden werden, der seiiu- Abwesenheit nicht vorher angemeldet a Hernach hört man höchstens noch den Nachtwächter mit Laterne und und herumschleichen und ab und zu einen spät Helmkehrenden, der der fe t Samkeit des Nachtwächters entgehen möchte. Die anderen schlafen 5 Ui,UnCl würden sicn bei keinem Geräusche rühren, vor Furcht, daß es schon nr morgens ist und es „Aufstehen" bedeuten könnte. Ich erinnere mich noch einer lauten Kesselexplosion, bei der das fiel 80hC Fräulein nicnt nur aufwachte, sondern sogar beinahe in Ohnmacht tr..* wflhrend wir sie dicht dabei einfach überhört hatten; wahrscheinlich und""*6 'Cder VOn uns* es sei 5 ^hr* er sei diese ^ocne daran aufzustehen der Nachtwächter käme polternd zu ihm ins Zimmer, zunächst nur ein rund, sich noch fester in Schlaf zu stellen.

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