Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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192 No. 10/11 eines Studenten mit tödlichem Ausgange benutzt wurde, sonst war nur noch einer einmal krank, weil er zuviel Obst beim Ernten gegessen hatte. Die jungen Leute benutzen viel ihrer freien Zeit zum Spielen auf dem großen Spielplatz und den Rasenanlagen, auf welchen auch der militärische Drill täglich stattfindet. Derselbe ist getreu dem Muster an den amerikanischen Schulen durch einen jungen Lehrer geleitet, der es bis zu Auszeichnungen in diesem Unterrichtsteile an seiner Hochschule gebracht hatte. Er erscheint also in Uniform seiner früheren Schule und läßt hauptsächlich militärische Marschübungen machen, die von den unseren merklich abweichen, dabei spielt das Aufziehen und Herablassen der amerikanischen Flagge mit dem .vorschriftsmäßigen Salutieren eine große Rolle. Als Einleitung finden Freiübungen statt, bei denen immer darauf geachtet wurde, daß sie nicht so kompliziert waren, daß sie den Cfeist anstrengten. Sie entwickelten sich nicht etwa wie bei uns die eine aus der anderen, sondern im Qegenteil. waren vollständig unabhängig voneinander und hatten nur den Zweck, den ganzen Körper durchzuarbeiten. Es gab da eine bestimmte Serie von Grundübungen, die jeden Abend vollführt wurden. Als Geräte hatten wir nur Keulen. An anderen Schulen der Vereinigten Staaten hat der Turnunterricht noch mehr vom militärischen Charakter an sich; die jungen Leute tragen nicht nur Uniformen, wie übrigens jetzt auch an der H. A.S.. sondern lernen auc^ schießen mit Qewehr und Revolver. Soweit ich orientiert bin, erhalten diese Schulen dafür Entschädigungen vom Staat. Eine andere gute Einrichtung war die, daß jeder V-z Acre Land für Feldbau und % Acre für Gartenbau zum Bearbeiten nach eigenem Gutdünken (unter Anleitung der Lehrer natürlich) erhielt. Die Früchte der Gärten wurden an die Küche der Schule gegen bares Geld zum jeweiligen Tageskurse verkauft. Ein praktischeres Mittel gibt es kaum, den Schüler zum Nachdenken über die besten Mittel und Wege anzuregen, wie er das Gelernte untei Benutzung des eigenen Witzes praktisch anwenden könnte, wie er nur etwas pflanzen darf, was nicht etwa zur Zeit der Ernte auf dem Markte, in diesem Falle der Küche der H. A. S., im Uberfluß vorhanden war und nicht abgesetzt werden konnte usw. Ich selbst sah mit Sorge der großen Ernte von einer bestimmten Sorte Kürbissen entgegen, die, wie sich bei der Prüfung der Erstlinge er^' keiner essen wollte. Meine Radieschen konnte ich beim besten Willen mcb so früh zum Reifen kriegen, wie die meisten andern und der Preis safl immer tiefer. Ohne diese Einrichtung wäre auch nie der Marktbericht mit seine'1 Preisen so sorgfältig in den Zeitungen studiert worden. Um das eigentliche Schulgrundstück herum liegen die großen Lan" dereien der Schule. Während diese jetzt mehrere 100 Acres betragen, wäre es zu meiner Zeit ca. 125. Diese waren teilweise der Feldwirtschaft, *el weise der Gärtnerei und Obstzucht gewidmet. Viele Zweige der Landwir Schaft können unter den herrschenden Bodenverhältnissen sicherlich unter Opfern zum Nutzen der jungen Männer betrieben werden. Diese halten den ganzen Betrieb aufrecht. Jede Art Arbeit, sei es melken, k»n ]( arbeit, ia zum Teil sogar Hausarbeit, wird von ihnen unter Anleitung spe