Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 9 (9.1909)
- Date
- 1909-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 9 161 Das Jüdisch - Nationale liegt natürlich den Führern der politischen Israelitengemeinde noch nicht, zumal die Juden Mährens im deutschen Wahlkataster eingetragen sind. Und so dauerte es lange, bis es einigen in Prag und Wien studierenden Judisch-nationalen Studenten gelang, den Anschluß des Vereins an die •'üdische Turnerschaft durchzusetzen, der sich nun vollzogen hat und durch das Schauturnen und einen Festabend am 15. August d. J. seine Weihe erhielt. Der Boskowitzer Turnverein ist ein Sommerverein, bestehend aus Studenten aller Lehransialten, welche den Sommer in ihrer Heimat verbringen. Im Winter wird nicht geturnt. Vor allem besteht kein Turnlokal für den Winter, sondern der Verein hat nur einen Sommerturngarten, der auch von der öffentlichen Volksschule benutzt wird, welche kein eigenes Turn- •okal besitzt. Die erwachsenen „ganzjährigen" Boskowitzer scheinen das Turnen nur als Jugendspiel aufzufassen, wenigstens waren sie beim Schauturnen zumeist nur als Zuseher zu finden. Der Turnverein ist also ein Verein der Jungen und Jüngsten, der von n Älteren und Ältesten gefordert wird. Unter diesen Umständen kann vorläufig von einer einheitlichen turnerischen Arbeit nicht gesprochen werden, m so erfreulicher und anerkennenswerter sind die Leistungen, die von •esen Sommerturnern nach ganz kurzer Übung beim Schauturnen vorgeführt wurden. Es ist zweifellos ganz besonders gutes Material vorhanden, a& bei regelmäßiger Ausbildung bald erstklassige Turner stellen wird. Aufgefallen ist mir, daß wenigstens die Hälfte der erwachsenen Turner je rote Turnwartsbinde trugen und wie ich hörte, tatsächlich Turnwarte ^Jnd. Ein Segen, der die anderen Verbandsvereine neidisch machen könnte. r°tz der vielen Turnwarte ist aber die turnerische Disziplin am Platze noch 'pnt genügend entwickelt, was ja bei der geringen Übungszeit allerdings leicht erklärlich ist. p Es fiel wohl auch nur deshalb auf, weil der Jüdische Turnverein roßnitz bzw. dessen nach Boskowitz entsendete Qastriege in dieser Hinsicht '.? außerordentIich schön hielt. (Vom letzten Berliner Verbandsschauturnen r te das der Proßnitzer Verein auch nicht gelernt haben.) In sonstiger rnerischer Leistung hat sich die Proßnitzer Riege offenbar Zurückhaltung s-h Kt" ^enn dies nicnt zur Schonung der Kräfte für das eigene Vereinst aut.urnen seschah, so war es nicht begründet. Denn gerade die höchsten ,nenschen Leistungen sind gut genug, um den weniger weit vorgerittenen Turnern zu zeigen, was bei ausdauernder Arbeit erreicht werden j n' und sind allein imstande, höhere turnerische Ambition zu wecken. e*lfalls sebührt dem Proßnitzer Verein für die von ihm nach Boskowitz ■"sendete stattliche Riege Dank und Anerkennung. nicht ^S S°"te 1<eil1 Schauturnen eines Verbandsvereins mehr geben, an dem um Brudervereine teilnehmen. Ein Reisefond für diesen Zweck muß ieder Verein haben. Bo k ^er Wiener Turnverein beabsichtigte eine Riege nach °witz zu entsenden. Aber seine Reisekasse ist aus Berlin noch nicht