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Jüdische Turnzeitung · 1909-09-01 · 9 (9.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
9 (9.1909)
Date
1909-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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160 auch Vereinsdiener. Der Verein entwickelt sich günstig, dank der Unterstützung einiger Kameraden, und das Sonderbare ist, daß in unserem Vereine die weibliche Jugend sich mehr beteiligt, als die männliche. In mehreren anderen Städten sind einige Vereine im Entstehen begriffen. Die Notwendigkeit der Gründung von Turnvereinen ist bei uns sehr groß, die Verhältnisse hierfür sind sehr ungünstig. Es bedarf riesiger Arbeit und Ausdauer. Die bis jetzt gegründeten Vereine stehen in gar keiner Verbindung mit einander, ein jeder ist ein in sich abgeschlossenes Ganzes. D'e Frage der Gründung eines Landesverbandes ist bereits berührt worden, aber ohne praktischen Erfolg. Ich will die Frage nicht weiter behandeln, da ich es bereits in der' Turnzeitung getan habe. Wie der Verband gegründet werden soll, die Grundlage desselben, wird sich erst nach einer Besprechung der Vertreter der einzelnen Vereine ergeben. Schon aus Agitationsrücksichten ist die Gründung des Landesverbandes unbedingt geboten. Wenn ich die ganze Frage der Agitation zusammenfasse, so ist die Richtung derselben dadurch gegeben, daß man vorerst aufklärend wirken muß, und zwar in der Art, daß man auf die gewaltige Wirkung der Leibesübungen in hygienischer und pädagogischer Beziehung hinweist. 1. Die Mittel hierzu sind Verbreitung von Aufrufen und Flugschriften, die diese Frage nach beiden Seiten hin berühren, und Veröffentlichung derselben in den Zeitschriften. 2. Berichte über den Stand der Vereine. 3. Veröffentlichung von Berichten mit Illustrationen über den Stand der Vereine. Wiedergabe von gelungenen und schönen Gesamtübungen. 4. Die Herausgabe einer Turnzeitschrift in jüdischer Sprache. 5. Veranstaltung von Wanderschauturnen. 6. Die Vereine müßten in ihr Programm aufnehmen: die Veranstaltung von Kinderausflügen und -Spielen und dafür sorgen, da0 in Kinderkreisen viele Bewegungsspiele im Freien betrieben werden. 7. Einflußnahme auf die Jugendorganisationen, die die Leibesübungen m ihr Programm aufgenommen haben, aber noch der Anweisung bedürfen, wie sie ihr Programm verwirklichen können. 8. Endlich die Bildung einer Landesorganisation. Jüdischer Turnverein Boskowitz! Boskowitz ist eine der wenigen politischen „Israeliten-Gemeinden' Mährens. Es ist also eine Judengemeinde mit selbständiger politischer Verwaltung. Das zionistische Gemeindeverwaltungs-Ideal ist hier schon verwirklicht, insofern natürlich Bürgermeister und Gemeindefunktionäre Jaden und alle Gemeindeanstalten jüdisch sind oder doch sein könnten! Sie sind nämlich noch nicht jüdisch, sondern noch immer nur israelitsch, ein Unterschied, der dem Kenner der nationalen Verhältnisse in Österreich und besonders in Mähren wohl bekannt ist. Und so war auch der Boskowitzer Turnverein bisher israelitsch. E*' war natürlich, wie alle israelitischen Vereine Mährens vor ungefähr einem Jahrzehnt, stramm deutschnational und gehörte der Deutschen Turnerschalt an, bis ein schon jüdisch gesinnter Jahrgang Boskowitzer Studenten den Austritt aus derselben durchsetzte.

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