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Jüdische Turnzeitung · 1909-08-01 · 8 (8.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
8 (8.1909)
Date
1909-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 8 129 Die Erziehung in der Schule und zu Hause ist eine einseitige, und nur >ür die geistige Ausbildung berechnet, bei vollständiger Vernachlässigung des Physischen. Die Verhältnisse für die Mädchen sind etwas günstiger. Jedenfalls bessern sich die Verhältnisse von Tag zu Tag. Die alte hebräische Schule, das Cheder, verschwindet langsam. Die Kinder besuchen häufiger die Volksschule und nach Beendigung derselben gehen sie ins Gymnasium über. Hier wird, dank der Berührung mit Kindern aus den intelligen- ^.re'sen, dank der Fürsorge der Schule, die immerhin noch keine genügende jst, für das leibliche Wohl der Jugend mehr Sorge getragen als vorher. Die »chulen der Baron Hirsch'schcn Stiftung, die neueren Datums sind, haben bereits Turnhallen und pflegen das Turnen. Seit einigen Jahren hat die Agitation für die Verbreitung und Pflege der Leibesübungen in größerem "laße begonnen. Die Entstehung von einigen Turnvereinen, von Komitees für die Veranstaltung von Kinderausflügen und Spielen im Freien, haben dazu beigetragen, daß der physischen Erziehung der Jugend immer mehr Aufmerksamkeit zugewendet wird. Die Entstehung von Turnvereinen geht nicht so leicht vor sich, abgesehen davon, daß rein jüdische Vereine überhaupt schwer entstehen und S|ch erhalten können. Mit Ausnahme von Wohltätigkeitsvereinen erhalten •ch bei uns Vereine nur sehr kurze Zeit, und wenn sie existieren, dann egetieren sie nur oder sie verdanken ihre Existenz Programmen, die man eher aus Qeseiligkeitsvereinen ausmerzen soll. Es besteht bis nun kein einziger jüdischer Radfahrerklub, Fußballklub, mit Ausnahme des jüdischen urnvereins in Lemberg und einem, der in Brody im Entstehen begriffen ist. seh M'*te' für die Gründung und Erhaltung eines Turnvereins sind ist iSChWer aufzubringen. Die materielle Leistungsfähigkeit der Mitglieder no h Se^r Kerni8:e und Subventionen sind nicht zu erwarten. Dazu kommt de v*'6 .e'genarttee Auffassung, die die Vereinsmitglieder von dem Wesen v s Vereins haben, besonders des Turnvereins. Sie sehen in dem Turnreih n'C^' eine rreiw'"tee Verbindung mehrerer Personen, die zur Erdie i"8 e'nes 8ewissen Realen Zweckes sich zusammengefunden haben, Re ht e ^"ichten 'nrer Wee und ihrem Ideale gegenüber haben, gleiche ihr •» emander gegenüber beanspruchen können, daß die Mitglieder in De vUSammensetz,,ns die abstrakte Persönlichkeit „den Verein" bilden. Ken- "nre'n" ist den Mitgliedern etwas fremdes, von dem sie nur Benefizien k nieiien können; daher erfüllen sie ihre Pflichten nur solange, als sie Benennen genießen. such ^fenn ein Mitglied beispielsweise den Verein eine Zeitlang nicht beh.j. en *ann, dann ist er auch überzeugt, daß er auch nicht den Mitgliedsoe«rag zu ieiSten verpflichtet ist. Verei i 'St e'ne scnar'e Scheidung zwischen Rechten und Pflichten, der nehmen" abs*racto'* 'st den Mitgliedern gegenüber eine Art Privatunter- Weise^'? k6"""2, Erhaltung und Verbreitung des Vereines wird natürlicher Verein persönliche Angelegenheit einiger weniger, die freiwillig alle »ine am? cn auf sicn nehmen müssen:.die Existenz des Vereines wird in ford ADnängigkeit gebracht von diesen wenigen. Werden nun die Anschwie1"8*" an den Verein größer, wird die Befriedigung dieser Aufgaben ait „iVBr' dann müssen die leitenden Personen mit der Zeit aus Mangel?ieh« amer Unterstützung sich verzweifelt aus ihrer .Tätigkeit zurückwenn die Aufgaben ihre Kräfte Ubersteigen. (Fortsetzung folgt)

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