Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 8 (8.1909)
- Date
- 1909-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965117-5965292--2497-4925315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
130 No. 8 Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Judischen Turntag. Sollen die turnerischen Vorführungen, die bei Festlichkeiten geboten werden und die nur kurze Zeit in Anspruch nehmen dürfen, Oipfelübungen sein, oder welchen Charakter sonst sollen sie tragen? Die Frage wird verschieden beantwortet werden müssen, je nachdem, ob es sich um Männer- oder Frauenabteilungen handelt. Männerabteilungen werden bei solchen Gelegenheiten, und mit Recht, an irgend einem Lieblingsgerät eine Musterriege stellen; sie werden damit am sichersten den Beifall des Publikums erringen und am besten der Propaganda dienen. Es fragt sich aber, ob das gleiche auch für Frauenabteilungen ratsam ist. Ich würde die Frage verneinen. Warum? Nun, gestehen wir es uns nur ganz offen zu, wir haben unter den Frauen noch garnicht das nötige Material zu solchen Musterriegen. Entweder würden die Leistungen der sogenannten Musterriege auch bei dem nachsichtigsten Urteil keine Musterleistungen sein, oder aber die Zahl der Gipfelturnerinnen wäre eine so geringe, daß diese Schaustellung für den Verein eher ein Armutszeugnis als ein Anziehungsmittel bedeutete. Kann man aber nicht durch die Qualität wirken, so muß man es mit der Quantität versuchen. In diesem „muß" liegt nicht etwa Resignation; im Oegenteil, die Erfüllung dieser Pflicht bringt gleichzeitig leicht zu erkennende Vorteile. Schon das bloße Auftreten einer größeren Schar gleichgekleideter Turnerinnen bietet ein freundliches Bild und erregt die Freude des Publikums. Dazu kommt noch, daß damit auch ein Wunsch der Turnerinnen selbst befriedigt wird. Bei den meisten Frauen macht sich das Verlangen geltend, sich öffentlich zu zeigen, und diesem Verlangen muß man, so weit es irgend angeht, bei Turnerinnen nachkommen, um nicht Mißstimmung zu erregen. Je größer die Zahl der Beschäftigten bei öffentlichen Vorführungen ist, um so größer ist auch der Eifer in der Abteilung, um so mehr Interesse werden die einzelnen gewinnen, nicht nur für ihre eigene Abteilung, sondern auch für den gesamten Verein, der sie ja zu dieser Sonderleistung auffordert, und das gerade ist ein Umstand, der in Frauenabteilungen, denen man ja immer Interesselosigke't die gemeinsame Sache vorwirft, besonders berücksichtigt werden muß. Allerdings ist eins zu bedenken, wenn man eine größere Zahl von Teilnehmerinnen zu den Schaustellungen heranzieht. Die Uebungen müssen so zusammengestellt sein, daß sie auch mittelmäßigen Turnerinnen nur geringe Schwierigkeiten bieten, sie müssen weniger Kraftals Anmutsübungen sein. Die Richtigkeit dieser Forderung hat man auch schon immer erkannt, man ließ die Frauenabteilungen bei Festlichkeiten nicht an Geräten turnen;« traten gewöhnlich zu einem Reigen zusammen. Nach dem Takte der Mu wurden tanzartige Bewegungen ausgeführt, die weniger den Kraftsinn als de ästhetischen Sinn des Zuschauers befriedigten. Und darin liegt durchaus W Nachteil, beansprucht man doch von den Bewegungen einer Frau zuerst, sie anmutig seien. v Dieser Oesichtspunkt leitete mich auch, als ich die Uebungen zum bandsschauturnen zusammenstellte. Ich wich nur insofern von der übt Form ab, als ich zum erstenmale versuchte, eine Art Reigen an mehreren