Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 6/7 (6.1909)
- Date
- 1909-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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106 No. 6/7 Bild, viel Verwirrung und — Ärger. Aus der fremden Raumdisposition, dem ungewohnten Kommando und der verschiedenartigen Ausbildung ergeben sich jene Begleiterscheinungen, die oft eine unzufriedene Stimmung auslösen, die sich aber bei derartigem Aufgebot an Kräften nicht vermeiden lassen. Wir werden in Zukunft alle Klippen, an denen der berühmte „gute Wille" scheiten, könnte, umgehen und elementaie Rangierungen einiühren müssen. Dennoch besteht kein Grund, den von den Turnwarten des Bar Kochba in ihren Abteilungen oft und mit bestem Erfolg erprobten Aufmarsch zu entschuldigen, wollte man nicht seine Liinge tadeln, die auf kleinere Messungen berechnet Mar. Eine einheitliche Schrittart kann nur in vielen Stunden gemeinsamer Übung unter regelmäßigem Gesang geschaffen werden. Auch dann wird ein einzelner, der nicht Abstand und Vordermann behält, das Gebäude umwerfen. Da wir unter diesen Umständen einen Aufmarsch aus einem Guß doch schwerlich erzielen Verden, ist zu erwägen, ob wir uns diese traditionelle Eröffnungspolonaise, die uns kostbare Zeit wegfrißt, nicht schenken. — Im übrigen erfüllte die Generalprobe insofern ihren Zweck, als man allgemein froh war, daß sie vorüberging. Aufstellung und Wechsel der Gerate wurden in sachgemäßer Weise geregelt. Nach der Mittagspause ging es in den Garderoben hoch her. Mjt beträchtlichem Aufwand an Stimme und Geduld kam jeder zu seinem Recht und seiner weißen Hose. Viel Freude riefen die angeschafften blaue" Schärpen hervor. Endlich war alles bereit, und unter dem Kommando des Verbandsturnwarts Dr. Blum rückten in Doppelreihen von zwei Seiten 12» Turner in den Saal. Es schien, als ob alle e i n Gefühl hoher Verantwortung durchdrang, mit dem Liede unseres Israel Auerbach: „Brüder schließt die Reihen" kam wieder, wie damals in Basel und Wien, d i e Haltung in die Körper und d i e Straffheit in die Massen, die wir im alltäglichen Turnbetriebe oft vermissen. Der Aufmarsch wickelte sich denn auch mit zwar ängstlicher, aber ausreichender Sicherheit ab, so daß man ihn in Rücksicht auf die erwähnten mannigfachen Schwierigkeiten als turnerische Leistung hinnehmen konnte. Und wenn Mann für Mann schon äußerlich das Bestreben zeigen, ihre Sache gut zu machen, fallen Schwächen weniger auf, und gern . übersieht man klaffende Lücken, schlechten Vordermann und geringe Richtung. Nicht verziehen sei aber denen, die beharrlich die Ecken abschnitten und abrundeten, wo nichts abzurunden war. Sehr schwach war auch das Einschwenken zu Sechsen am Schluß. Die einzelnen Figuren sind dem turnerischen Leser bekannt. Nach Auflösung zum Doppelabstand und dem Halt, das nicht klappte, weil die vorderen Reihen nicht an Ort traten, hieJt Herr Dr. Alfred Klee-Berlin seine Ansprache. Unter „Rührt euch" steht der Turner bequem, aber mit Anstand. Die Haltung der Mehrzahl während der Rede war jedoch mangelhaft. cs verlangt niemand von einem krummen Rücken, der bekanntlich durch Begeisterung ausgeglichen wird, daß er nun beim Schauturnen plötzlich kerze»- «rade werde, was aber jeder kann, ist, daß er sich nicht, wenn tausend Auge auf ihn gerichtet sind, räkelt, lässig die Arme vor- bzw. rückwärts kreuz und ahnliche Gymnastik mehr treibt. Applaudieren im Oliede ist unturnerfsc"; Das sind Kleinigkeiten, an denen man die turnerische Erziehung erkenn« Recht gut wurden die Y r e i ü b u n ge n ausgeführt. Man sollte für Masse"" Wirkungen stets leichte komponieren. Sie boten, namentlich von oben sehen, ein packendes Bild und zeigten in einzelnen Bewegungen Übe - raschende Harmonie. Viel zu verderben gab es an dieser beinahe InstinKtiven Ubungsfolge allerdings nicht, so daß sauberste Ausführung selbst v° den Unaufmerksamen verlangt weiden konnte. Es verdient hervorgehobe